Ein böser, zynischer und toller Abend mit Hagen Rether

Bochum. Nur vier der scheinbar 200 Scheinwerfer beleuchten die spartanische Bühne, im Lichtpegel des Spotlights sitzt Hagen Rether. Ruhig, wie immer. Zurückgelehnt auf einem Bürostuhl, in einem hellen Anzug. Die leicht grau gewordenen Haar streng zurückgebunden.

Schweigen. Stille. Hagen Rether fragt das Bochumer Publikum: „Und sonst? Haben Sie Arbeit?“

Für sein Programm „Liebe“, in dem es – wie er mehrfach in den knapp drei Stunden wiederholt – um Oberflächen geht, eine Frage, die schon ziemlich ins Detail geht. Und obwohl der Kabarettist eine halbe Stunde lang symbolisch die Oberfläche seinen schwarzen Flügel reinigt, wird der Essener ziemlich tiefgründig.

Hagen Rether ist ein Witzeerzähler, Poet und zynischer Zeigefinger der Gesellschaft. Alle bekommen ihr Fett weg. In erster Linie aber Politiker – an vorderster Front die „Bauchrednerpuppe der Unternehmen“ Guido Westerwelle. Auch Angela Merkel, die einer Kanzlerin unwürdig oberflächlich in einer Berliner Synagoge sagte: „Man muss auch mal etwas gegen Antisemitismus tun“, bekommt die Spitzfindigkeit des gebürtigen Rumänen zu spüren.

Die Pointen sitzen

Trotz seiner ruhigen Art scheint die Zeit nur so zu rennen. Es geht um Beschäftigung des Volkes und Gesprächsstoff für die Stammtische in deutschen Kneipen: „Strohpuppen“ wie Zumwinkel, Mehdorn, Ackermann halten regelmäßig „den Arsch hin“ als Büßer und Deppen für wesentlich gravierendere Probleme. Nach anderthalb Stunden läutet Rether die Pause ein.

Nach langen 35 Minuten Rast – in der ein bisschen die zynische Stimmung verloren ging – kommt er zurück auf die Bühne. „Normalerweise müssten Sie ja um 22 Uhr ins Bett – aber Sie haben ja keine Arbeit – von wegen Vollbeschäftigung.“ Hagen Rether braucht nicht mehr als die paar Scheinwerfer und seinen Konzertflügel. Seine Pointen sitzen und seine leise Boshaftigkeit sind abendfüllend.

Endspurt am Flügel. Noch einmal redet und singt er über Politik, Irak und Afghanistan, den Papst und die Fleischindustrie. Das kurz aufkeimende Hungergefühl ist wie Zauberei verschwunden. Und eine Stunde vor Mitternacht verbeugt sich Rether vor seinem Publikum beim Zeltfestival Ruhr. Die, die Arbeit haben, müssen jetzt schnell ins Bett, behalten aber einen zynischen, pointierten, tollen Abend mit einem Hagen Rether in Topform in Erinnerung.

 
 

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