Ehre für einen großen Mimen

Düsseldorf..  Der Film- und Theaterschauspieler Ulrich Tukur wurde gestern Abend mit dem Helmut-Käutner-Preis der Landeshauptstadt ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wurde zum 14. Mal vergeben. Oberbürgermeister Thomas Geisel überreichte den Preis bei einem Festakt im Rathaus. Er würdigte Tukur als „Mimen von besonderer Art“. „Einen Charakterdarsteller zeichnen wir mit der Vergabe des Käutner-Preises der Landeshauptstadt Düsseldorf aus, der uns in seinen Filmen, im Fernsehen als Tatort-Ermittler und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu begeistern weiß. Persönlichkeiten stellt Ulrich Tukur besonders eindringlich vor, die uns unversehens ins Fantasieren und Nachdenken führen. Wie scheinbar leicht ihm das von der Hand geht, offenbart seine große Kunst“, sagte das Stadtoberhaupt. Die Laudatio hielt der Regisseur Dr. Michael Verhoeven. Ulrich Tukur reagierte erfreut auf den Preis: „ Was für eine Freude eine Auszeichnung zu erhalten, die sich mit dem Namen eines der größten deutschen Filmregisseure verbindet! Als einer der wenigen hat sich Käutner selbst während der nationalsozialistischen Diktatur eine erstaunliche künstlerische Unabhängigkeit bewahrt und noch in der Apokalypse des zu Ende gehenden Krieges filmische Meisterwerke von großer Menschlichkeit geschaffen. Vor allem seine 1944 entstandene Produktion ‘Unter den Brücken’ hat mich zutiefst beeindruckt, kein anderer deutscher Film ist mir je so ans Herz gegangen. Er ist der Beweis, dass wir einmal einen Regisseur besaßen, der den großen realistischen Filmkünstlern seiner Zeit, der einem Jean Renoir oder Marcel Carné in nichts nachstand.“

In der Begründung der Jury heißt es: „Ulrich Tukur gehört zu den herausragenden Schauspielern Deutschlands. Seit den achtziger Jahren verkörpert er überzeugend oftmals widersprüchliche Männerfiguren in deutschen und internationalen Filmproduktionen. In seiner Zusammen-arbeit mit wichtigen Regisseurinnen und Regisseuren gelingen ihm immer wieder Charakterdarstellungen von bleibender Wirkung. Mit großer Präsenz und Vitalität hat Ulrich Tukur das deutsche Kino, Theater und Fernsehen geprägt. Er liebt das schauspielerische Risiko, ganz besonders in historischen Rollen, und setzt sich damit bewusst in Beziehung zum Werk von Helmut Käutner.“
Ulrich Tukur wurde am 29. Juli 1957 in Viernheim geboren (als Ulrich Gerhard Scheurlen). 1980 begann er an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart eine Ausbildung in Schauspiel. Nach Beendigung des Schauspielstudiums 1983 wurde er von den Städtischen Bühnen Heidelberg engagiert. Noch zu Studienzeiten ermöglichte ihm Michael Verhoeven erstmals in einem Film mitzuwirken: In „Die weiße Rose“ spielte er den Studenten und Angehörigen des Widerstandskreises gegen die NS-Diktatur Willi Graf.

Bei einem späteren Engagement in München wurde Peter Zadek auf ihn aufmerksam, woraus sich eine fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit ergab, die 1984 schließlich zu Tukurs Durchbruch am Theater führte. Tukur spielte unter Zadek zunächst an der Freien Volksbühne Berlin als SS-Offizier Kittel in Joshua Sobols Stück „Ghetto“. Später wurde für beide das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg zu ihrer künstlerischen Heimat – für Zadek als Intendanten und für Tukur von 1985 bis 1995 als Ensemblemitglied.

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