Drei Sozialarbeiterinnen reden sich den Frust von der Seele

Barbara Hirt in "Kaspar Häuser Meer" am Schauspiel Essen.
Barbara Hirt in "Kaspar Häuser Meer" am Schauspiel Essen.
Foto: Schauspiel Essen
Von der Hilflosigkeit der Jugendämter: Felicia Zellers Theaterstück „Kaspar Häuser Meer“ hatte Premiere am Essener Schauspiel. Ein viel gespieltes Stück Gegenwartsdramatik, das viel Unmut herausbrüllt – ein starker Abend, der auch seine stillen Momente hat.

Essen.. Felicia Zellers „Kaspar Häuser Meer“ ist ein Stück Gegenwartsdramatik, das nach der Uraufführung 2008 vielfach nachgespielt wurde. Offenbar hat die Autorin hier einen Nerv getroffen, der weiter bloß liegt. Was auch die Inszenierung von Thomas Ladwig am Grillo-Theater zeigt: Noch immer erschrecken Meldungen über Kindesmisshandlungen und Hilflosigkeit der Jugendämter die Öffentlichkeit.

„Kaspar Häuser Meer“ ist keine Anklage, obwohl es Unmut herausbrüllt. Es ist kein Dokumentationstheater, obwohl es gut recherchiert ist. Es bedient sich keiner Betroffenheitslyrik, obwohl es am Ende betroffen macht. Es ist eine Groteske, in der die kindlichen Opfer nicht erscheinen und doch präsent sind. Die Realität steckt in Kaskaden von hintersinnigen Satzfragmenten, die aus den Mündern von drei Sozialarbeiterinnen sprudeln.

Aussichtsloser Kampf gegen Bürokratie und Anfeindungen

Ingrid Domann, Silvia Weiskopf und Barbara Hirt bilden dabei ein starkes Trio. Anfangs wirken sie etwas verschroben und werden dafür belächelt. Doch bald sind die Folgen ihres aussichtslosen Kampfes gegen zu viele Fälle, Kostendruck, Bürokratie und Anfeindungen präsent: Frust, ständige Angst vor Fehlentscheidungen und die Furcht, dem eigenen Kind nicht gerecht werden zu können.

Kleine Amtsstuben in einem offenen Haus hat Bühnenbildner Ulrich Leitner für sie mit Leitern, Treppen und schmalen Durchgängen versehen. Da arbeiten sie sich ab, bevor sie wirklich tätig werden können. Post stapelt sich in Umschlägen. So viel Elend, das sich nie erledigt. Ein starker Abend, bei dem die Regie nicht nur der Atemlosigkeit des Textes folgt. Es gibt auch stille Momente. Und sehr bedrückende.

 
 

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