Dortmund

Drei Klaviere und eine Tastenlegende

Dortmund.  . Er ist ein Großer seiner Zunft. Der amerikanische Pianist Leon Fleisher, nunmehr 84 Jahre alt, kann zurückblicken auf wunderkindliche Anfänge und eine veritable Karriere im Anschluss. Dann der Rückschlag: Fingerlähmung in der rechten Hand. Doch im Unglück blieb ihm Fortuna gleichwohl gewogen – mit der Beschränkung auf die Klavierliteratur für die Linke wurde er erst recht berühmt.

Sein Charisma strahlt aus

Und sein Schaffensdrang scheint ungebrochen. Das dokumentiert nun sein erneuter Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr. Im Konzerthaus Dortmund ist Fleisher dabei ein umsichtiger, zielgenau Zeichen gebender Dirigent. Als Pianist indes hält er sich zurück. Zwar hat die Medizin seine rechte Hand wieder beweglich gemacht, aber mit den Jahren lässt die Virtuosität eben nach.

Doch sein Charisma strahlt unmittelbar auf seine Mitstreiter aus. Auf die Pianisten Alon Goldstein und Katherine Jacobsen Fleisher, erst recht auf die Bochumer Symphoniker. Wenn sie Francis Poulencs Concerto für zwei Klaviere musizieren, erleben wir einen munteren, energiegeladenen, auch poetischen Umgang mit einem augenzwinkernden Klassizismus. Hören wir ein Stück, das zwischen Mozart-Anklängen und 20er-Jahre-Großstadtsound pendelt.

Goldstein selbst, lange Assistent Fleishers, lässt zudem Benjamin Brittens Klavierkonzert für die linke Hand erklingen. Ein virtuoses Variationenwerk, dessen Thema mächtig auftrumpft, sich dann lyrisch, walzerselig oder unheimlich gibt. Goldstein spielt mit Gespür für alle diese Stimmungen, das Orchester zaubert wunderbare Farben herbei.

Einmal jedoch sitzt Fleisher selbst am Flügel, gibt mit seinen Mitstreitern das Lodron-Konzert Mozarts für drei Klaviere. Sein Part mag sich auf wenige harmonische Stützen beschränken. Doch insgesamt bieten Pianisten und Orchester eine geschmackvolle, stilsichere Deutung. Das Prinzip des Konzertierens, des Kommunizierens zwischen den Musikern wird aufs Schönste illustriert.

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