Dortmunder Märchen für Erwachsene mit Blick für das Böse

Ob Gretel oder Königstochter: Bei „Republik der Wölfe“ mit Julia Schubert, Caroline Hanke und Bettina Lieder (v.l.) bekommen alle ihr Dreck weg.
Ob Gretel oder Königstochter: Bei „Republik der Wölfe“ mit Julia Schubert, Caroline Hanke und Bettina Lieder (v.l.) bekommen alle ihr Dreck weg.
Foto: Birgit Hupfeld
Bei Claudia Bauers Produktion „Republik der Wölfe“ am Dortmunder Theater verschmelzen acht Märchen der Brüder Grimm – von Rapunzel bis Rumpelstilzchen – zu einem Universum aus Angst und Lüsternheit. Dabei schwingt stets die Frage mit: Darf in einem Hausbuch am Ende das Böse siegen?

Dortmund. Man kann nicht gerade behaupten, dass Claudia Bauer mit ihrer „Märchenmassaker“ benannten Produktion „Republik der Wölfe“ am Theater Dortmund Neuland betritt. Werden wir doch mit Grimms Märchen wieder verstärkt konfrontiert, seit 2012 das 200. Jubiläum der Herausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ gefeiert wurde. Und was in dieser Sammlung alles an dunklen Fantasien in Bezug auf Sex, Kannibalismus oder Sodomie zu Tage tritt, das hat beispielsweise Neil Jordan in seiner „Rotkäppchen“-Version „Die Zeit der Wölfe“ fürs Kino bereits in ein träumerisches Netz aus Schreckensvisionen verwandelt.

Die zwölf tanzenden Prinzessinnen

Es heißt also eigentlich offene Türen einzurennen, wenn der Froschkönig die Königstochter besteigt, wenn Rotkäppchen und der Wolf sich eindeutigen Vergnügungen hingeben oder Hänsel und Gretels Mutter ihre Kinder aus purem Egoismus im Wald aussetzt. Doch selbst das verhindert nicht, dass man dieser Uraufführung für Erwachsene seine Sympathie nicht verhehlen kann.

Acht Märchen, von „Rapunzel“ über „Rumpelstilzchen“ bis zu den weniger bekannten „12 tanzenden Prinzessinnen“ kriechen hier förmlich ineinander, überlappen sich teilweise, bilden schließlich so etwas wie ein Universum aus Angst und Lüsternheit. Wilhelm und Jacob Grimm streiten derweil um die Ausrichtung ihrer Geschichtensammlung und also darum, ob das Böse siegen darf in einem Hausbuch.

Das Geschehen wird begleitet von der vierköpfigen Band „The Ministry of Wolves“, die mit einem ganzen Bouquet von Musikgenres aufwarten, gelegentlich aber auch mit gesprochenen Worten zur Musik überraschen. Die stammen dann meist aus dem Buch „Transformations“ der verstorbenen US-Autorin Anne Sexton, die darin eine gesellschaftskritische Adaption der Grimm’schen Märchen versuchte.

Das königliche Schuh-Casting

Claudia Bauer möchte mit ihrem überaus motivierten Ensemble diesen Faden wieder aufnehmen. Es begegnen einem daher seltsam vertraute Personenmuster, angefangen beim raffgierigen König aus „Rumpelstilzchen“, der am liebsten hätte, dass die Müllerstochter ihm auch noch Scheiße in Gold verwandele, bis zu den Schwestern von Aschenputtel, die sich gar die Füße abhauen würde, um beim königlichen Schuh-Casting zu bestehen. Bekanntes Territorium, wie gesagt, aber kunstvoll nachbearbeitet. Langer begeisterter Applaus.

Termine: 5. bis 9. März; 11. bis 13. April; 9. bis 11. Mai.

www.theaterdo.de

 
 

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