DJs laufen Sturm gegen die Gema

Dortmund..  Nun bittet die Gema die DJs zur Kasse: Ab dem 1. April müssen die Plattenaufleger für jedes Musikstück, das sie als Kopie auf ihrer Festplatte haben, um es öffentlich abzuspielen, 13 Cent zahlen. Wer also eine Musik-Datei aus dem Gema-Repertoire auf einen Stick, Laptop oder eine CD kopiert, um sie in einer Disco oder auf einer öffentlichen Party zu spielen, muss in die Tasche greifen.

Bisher mussten die Veranstalter einen Pauschalbetrag an die Gema zahlen. Und wenn der DJ etwas anderes als Original-CDs oder Vinyl abspielte, wurde der so genannte Laptop-Zuschlag fällig. Der betrug 30 Prozent zusätzlich, die der Diskothekenbetreiber an die Gema abführen musste. Gegen diese Regelung hat sich die „Bundesvereinigung der Musikveranstalter“ erfolgreich gewehrt. Stattdessen sollen nun die DJs die Zeche zahlen.

Das knifflige an dem neuen Tarif VR-Ö ist, dass es sich um einen Vervielfältigungszuschlag handelt. Das heißt: Es spielt gar keine Rolle, ob ein Song tatsächlich gespielt wird. Einzig entscheidend ist, ob er sich auf der Festplatte des DJs befindet und zur öffentlichen Wiedergabe vorgesehen ist. Private Kopien von Musikstücken sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Wer aber weiß, dass DJs oft mehrere zehntausend Titel in ihren Mediatheken mit sich herumtragen und zum Auflegen mitnehmen, kann sich ausrechnen, dass hier bei Unachtsamkeit Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro entstehen können. Derzeit gibt es noch ein Schlupfloch: Wer vor dem 1. April seine Musikdatenbank kopiert hat, kommt mit einem einmaligen Pauschalbetrag von 125 Euro davon – und muss lediglich die später hinzugefügten Titel mit jeweils 13 Cent lizenzieren.

In der DJ-Szene herrscht seit Bekanntwerden der Pläne große Aufregung. Wochenlang schimpften sie in Foren über die finanziellen Folgen. „Dieser Tarif wird definitiv für keinen Discjockey existenzbedrohend sein“, versucht der Dirk Wöhler, Präsident des Berufsverbands der Discjockeys (BVD) zu beruhigen.

Während die Großverdiener in der Branche wohl nur milde über die neue Abgabe lächeln dürften, macht sich der Unmut vor allem bei den Nachwuchs-DJs breit. Diejenigen, die für eine kleine Aufwandsentschädigung bei Festen oder in kleinen Clubs Musik machen, müssen in den kommenden Monaten für ihre Verhältnisse tief in die Tasche greifen.

Völlig unklar ist noch, wie die Gema die DJs kontrollieren will. Es ist bekannt, dass die Gema keinen großen Mitarbeiter-Stab hat, um an jedem Wochenende Kontrollen auf den zahllosen Veranstaltungen in Deutschland durchzuführen. Hier setzt die Gesellschaft erst einmal auf die Vertrauensbasis zu den DJs.

Weltstars auf die Festplatte geguckt

Eine fast schon kuriose Situation entsteht beim Blick auf ausländische DJs. Auch Weltstars wie Tiesto, Armin van Buuren und David Guetta müssen zukünftig in Deutschland vor einem Auftritt kopierte Tracks lizenzieren lassen. „Der ausländische DJ unterliegt den deutschen gesetzlichen Bestimmungen und ist verpflichtet, dies bei der Gema anzumelden“, sagt Gema-Mitarbeiter Uwe Dorn.

Das könnte interessant bis amüsant werden, wenn etwa am 27. April bei der Mayday in Dortmund ein Vertreter der Gema ans DJ-Pult von Stars wie Armin van Buuren, Ferry Corsten, Gareth Emery oder Carl Cox tritt und um Einsicht in ihre digitale Datenbank bittet – und gleich die Rechnung präsentiert.

 
 

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