Die Vorwürfe gegen Frei.Wild

Die nationalsozialistischen Vorwürfe gegen Frei.Wild ergeben sich aus zwei Punkten. Gravierend wiegt die Neonazi-Vergangenheit von Sänger Philipp Burger. Von dieser distanziert er sich und stempelt sie, wie auch in einem im Dezember ausgestrahlten Beitrag in der ZDF-Sendung „Aspekte“, als Jugendsünde ab. Der zweite Punkt, warum Frei.Wild in das rechte Lager eingeordnet werden, liegt an ihren patriotisch-völkischen Texten über ihre Heimat Südtirol. Frei.Wild selbst ist sich der Wirkung ihrer Heimat-bejahenden Texte durchaus bewusst. Burger begründet diese im ZDF-Beitrag durch ihre Herkunft: „Wer versteht, dass wir Südtiroler und nicht Deutsche sind, und dass hier (in ihrer Heimat Tirol) jeder so denkt, wird merken, dass nicht wir auf dem Holzweg sind.“

Für Müller liegt genau darin das zentrale Problem: „Frei.Wild verkaufen hier in Deutschland und nicht in Südtirol die meisten Tonträger und füllen hier die Hallen. Natürlich wird es in Südtirol eine andere Auffassung von Heimat und Patriotismus geben als bei uns, aber aufgrund unserer Vergangenheit in Deutschland ist mit dem Thema Stolz auf die eigene Herkunft einfach anders umzugehen.“

Im ZDF-Beitrag wird ein Einspieler gezeigt, in dem sich NPD-Funktionär Patrick Schröder über den Stellenwert der Band äußert: „Die Band ist zwar nicht zu 100 Prozent auf unserer Linie, aber zumindest zu 80 Prozent.“ Schröder weiter: „Wir haben aus dieser Band die Möglichkeit, noch in extremeren Maße zu profitieren, als früher durch die Böhsen Onkelz.“ Der Verweis Schröders auf die Böhsen Onkelz liegt auf der Hand. An vielen Stellen der Diskussion um Frei.Wild fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt, in der die Böhsen Onkelz sich vom damaligen Rechtsrock distanzierten.

Frei.Wild belegte mit ihrem jüngsten Album „Feinde deiner Feinde“ aus dem Stand Platz zwei der deutschen Albumcharts und füllte auf der dazugehörigen Tournee in diesem Jahr beispielsweise die große Westfalenhalle.