Die Verehrung der Meerjungfrau Maria

„Das Maschinengewehr Gottes“ in Dortmund.
„Das Maschinengewehr Gottes“ in Dortmund.
Foto: Birgit Hupfeld
Regie-Exzentriker Wenzel Storch wendet sich in Dortmund klerikalen Abenteuerromanen zu: „Das Maschinengewehr Gottes“ heißt sein neuester Streich.

Dortmund..  Letztes Jahr noch kämpfte sich der Regie-Exzentriker Wenzel Storch mit seinem Stück „Komm in meinen Wigwam“ am Dortmunder Schauspiel quer durch die Aufklärungslehre der katholischen Kirche in der Nachkriegszeit. Die mal subtile, mal auch herzhafte Komik, die das Publikum im Studio des Theaters entzückte, wird nun fortgesetzt: Mit „Das Maschinengewehr Gottes“ wendet Storch sich diesmal den klerikalen Abenteuerromanen („Satanella“) und Krimis („Der Tote im Beichtstuhl“) zu.

Was der Autor und Regisseur sich da zusammengerührt hat, ist ein derart schräges Gebräu, dass man Storchs Vorjahreserfolg eher als Warmlaufen bezeichnen möchte. Es beginnt mit einem Kaplan, der in den 60er-Jahren die Gelder der Gemeinde beim Kartenspiel verzockt hat und sich danach absetzt. Seine drei Ministranten Egon, Erika und Lutz sehen sich daraufhin gezwungen, aus dem Herbst-/Winter-Katalog des Christlichen Kaufhauses einen neuen Priester zu bestellen. Doch was der Paketbote dann abliefert, einen geistlichen Wüterich mit dem Kampfnamen „Das Maschinengewehr Gottes“, stellt sich schon bald als schlecht getunter Automat heraus, der schließlich im Garten der Kirche explodiert. Das Trio beschließt, den Hersteller in Oberschlesien aufzusuchen.

Es gibt immer neue Überraschungen in diesem „psychedelischen Schwank“ (Storch), bei denen letzte Lachtränen noch nicht abgewischt sind, wenn die neuen schon kullern wollen. Dabei darf ruhig auch gekalauert werden: Der schlesische Nonnenorden, auf den man schließlich stößt, verehrt die Meerjungfrau Maria, schwört auf die Heilkraft des Hostinettenbärs und beklagt den Wahnsinn ihrer Domina Ejaculata, die beim Basteln des Automaten offenbar mit Drogen experimentiert hat. Wie selbstverständlich mischt Storch bei seiner Inszenierung wenige Schauspieler mit vielen Laien, die er aus den Senioren- und Jugendclubs des Hauses sowie aus dem Dortmunder Sprechchor rekrutiert. Man kann nur staunen, welche Talente da freigesetzt werden.

Nie geht es dem Autor um das Verächtlichmachen von Figuren oder deren Kirche, man spürt schon eher eine liebevolle Versponnenheit an der Grenze zum Grotesken. Storchs nächstes Sehnsuchtsprojekt: Karl May.

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