"Die NPD holen wir ein, da fehlt nicht mehr viel"

Jennifer Schumacher

Essen. Martin Sonneborn ist nicht nur ehemaliger Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic. Er ist auch Parteichef - und zwar von "Die Partei". Ein Gespräch über die Lage in den westdeutschen Randgebieten - und darüber, welche Partei zur Bundestagswahl im Herbst nicht eingeladen wird.

Eine zentrale Forderung der Partei ist der erneute Aufbau der Mauer. Sie kommen gerade von Ihrer Lesereise in Ostdeutschland wieder. Wie haben die Zuhörer auf „Die Partei“ reagiert?

Martin Sonneborn: Im Osten wie im Süden haben sich nach den Lesungen oft spontan Ortsvereine gegründet. Die meisten Herzen fliegen uns aber natürlich in den ruinierten westdeutschen Randgebieten zu. Uns eint schließlich das Ziel, das Merkel wegzuschließen.

"Wir und die da drüben"

Kurz nach der Parteigründung bauten sie symbolisch einen Teil der Mauer wieder auf. Warum muss die Bundesrepublik erneut geteilt werden?

Sonneborn: Das ist auch eine dialektische Idee. Und das ist gut so, denn auch 20 Jahre nach dem Mauerfall sind wir noch nicht ein Volk, wir und die da drüben. Deshalb stehen wir dafür, Ostdeutschland in eine SBZ, eine Sonderbewirtschaftungszone, umzuwandeln. Es ist wichtig, den Fokus wieder auf die westdeutschen Randgebiete zu lenken.

Für den PARTEI-Film, der gerade gedreht wird, kommen wir gerne hier nach Westen, z.B. nach Gelsenkirchen, Köln, Dortmund. Auch Krefeld ist ein gutes Pflaster, da haben wir bei den vergangenen NRW-Landtagswahlen viele Stimmen geholt. Aber da sieht es ja auch besonders schlimm aus.

In Ihrem Buch rekapitulieren Sie die Entstehungsgeschichte der Partei. Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Sonneborn: Ein beeindruckender Moment war der Staatsbesuch 2007 in Georgien. Dort besuchten wir die größte Oppositionspartei und führten Gespräche mit deren Vorsitzendem Shalva Natelashvili. Die gesamte Journaille des Landes war vor Ort, um diesen bedeutenden Tag festzuhalten. Das lag vielleicht auch daran, dass die Georgier wegen eines Übermittlungsfehlers dachten, wir seien schon mit 30 Sitzen im Bundestag vertreten. Innerhalb von nur fünf Minuten haben wir ein absolut nichtsagendes Abkommen geschlossen. Damit versicherten wir uns die offizielle Zusammenarbeit auf allen Ebenen, Treffen und die gegenseitige Wahlkampfunterstützung. Ergreifend war anschließend auch mein Kniefall am Platz der Helden des großen Vaterländischen Krieges. Muss man nach Willy Brandt einfach machen, im Ostblock.

"Titanic" wird 30

Mal ganz im Ernst. Darf man mit der Gründung einer eigenen Partei andere Parteien karikieren?

Sonneborn: Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück. Viele Leute glauben, dass wir eine Spaßpartei sind. Doch nach der Wahl werden all diese Menschen dumm aus der Wäsche gucken. Unser Parteiorgan, die „Titanic“, wird Anfang Oktober 30. Um uns selbst zu feiern veranstalten wir am 27. September eine Bundestagswahl, zu der wir alle Parteien einladen, mit Ausnahme der FDP.

Warum sollte man „Die Partei“ wählen?

Sonneborn: Zum Beispiel, weil wir über absolut kein Wirtschaftskonzept verfügen. In einer Zeit, in der sämtliche Parteien-Wirtschaftskonzepte gescheitert sind, wird der Wähler das zu honorieren wissen.

Was versprechen Sie sich von der Bundestagswahl?

Sonneborn: Wie gesagt, die absolute Machtübernahme. Als Wahlergebnis haben wir uns SPD plus X gesteckt. Und: Wir haben jetzt knapp 8.000 Mitglieder, die NPD 10.000. Da fehlt nicht mehr viel, die holen wir ein.

Sonneborn auf Lesereise in NRW:

  • Aachen: 04.05.2009, 20 Uhr, onStage, Pontstraße 141-149
  • Köln: 05.05.2009, 20 Uhr, Gebäude 9, Deutz-Mülheimer Straße 127-129
  • Bielefeld: 10.05.2009, 20 Uhr, Kamp, Niedermühlenkamp 43
  • Gelsenkirchen: 11.05.2009, 20 Uhr,Kaue, Wilhelminenstraße 174
  • Dortmund: 12.05.2009, 20 Uhr, Fritz-Henßler-Haus, Geschwister-Scholl-Straße 33-37
  • Düsseldorf: 13.05.2009, 20 Uhr, Zakk, Fichtenstraße 40