Die Last auf dem Leben des letzten Krupp

Arndt von Bohlen und Halbach (li.) mit dem Generalbevollmächtigten der Firma Krupp, Berthold Beitz (r), am 20.11.1975 während der Verleihung des Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Preises 1975 in der Villa Hügel in Essen.
Arndt von Bohlen und Halbach (li.) mit dem Generalbevollmächtigten der Firma Krupp, Berthold Beitz (r), am 20.11.1975 während der Verleihung des Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Preises 1975 in der Villa Hügel in Essen.
Foto: dpa
Hans-Bruno Kammertöns’ Buch ist die Biografie eines Mannes und einer Firma in einem, die deren Geschichte prägte auch seinem Leben den Stempel auf: Arndt von Bohlen und Halbach notierte schon mit 16 in seinem Tagebuch: „Es ist der Fluch des Geldes“.

Essen. Es fast eben so sehr eine Geschichte der Firma Krupp wie ein Buch über den letzten Krupp geworden, was Hanns-Bruno Kammertöns da geschrieben hat. Aber die teilweise tragische, über weite Strecken allemal traurige Lebensgeschichte des Arndt von Bohlen und Halbach wäre unvollständig ohne die jahrhundertelange Krupp-Geschichte, die hier als eine Geschichte des wirtschaftlichen Welterfolges und der seelischen Verkrüppelungen zugleich erscheint.

Der gebürtige Essener und ehemalige WAZ-Redakteur Kammertöns, seit langem schon bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ und heute verantwortlich für ihre Titelgeschichten, widmet gut die Hälfte seines Buchs der Firmengenese – mit der beinahe leitmotivischen Feststellung, dass kaum ein Krupp-Chef je auf die Leitung der Gussstahl- und Waffenschmiede wirklich vorbereitet worden wäre.

Der Fluch des Geldes

Wer auch immer an die Spitze des baldigen Weltkonzerns gelangte, entwickelte seinen Führungsstil eigentlich erst im Amt. Insofern mag es vielleicht voreilig gewesen sein, dass man Arndt von Bohlen und Halbach 1966 zum Erbverzicht überredet hat. Andererseits zeigen die Lebenswege der Krupp’schen Firmenlenker, dass nur die stärksten Naturen unter ihnen den Belastungen des Amtes standhalten konnten.

Und der Internatszögling Arndt hatte schon kurz vor seinem 16. Geburtstag im Tagebuch von einem Fluch geschrieben, „der mein ganzes bisheriges Leben verdüstert und auch in meinem späteren Leben mein Fluch sein wird: Es ist der Fluch des Geldes.“ Er laste so schwer auf ihm wie auf anderen Menschen die Armut.

Schwer vorstellbar? Wenn man diese lebhaft und elegant geschriebene Firmen- und Menschenbiografie gelesen hat, nicht mehr.

Hanns -Bruno Kammertöns: Der letzte Krupp. Arndt von Bohlen und Halbach – das Ende einer Dynastie. Klartext Verlag, 247 S., 19,95 €.

 
 

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