Die Farbwulstgebirge und Spachtelschründe des Ralph Fleck

Ralph Fleck vor zwei seiner eiskalten Alpenlandschaften.
Ralph Fleck vor zwei seiner eiskalten Alpenlandschaften.
Foto: FUNKE Foto Services
Abstrakt und gegenständlich zugleich: Eine Retrospektive auf die Malerei des Freiburgers Ralph Fleck (63) in der Duisburger Küppersmühle.

Duisburg.. Straßenzüge von oben und Bücherregale, Malerpalette von oben und Müllberge, Marktgassen von oben und Seerosenteiche. Ja, Ralph Fleck malt Seerosenteiche, und dann auch noch in Giverny, dem Altersparadies von Monet. Aber dass es Seerosenteiche sind, muss man schon wissen. Eigentlich sind es Pinselstrichlandschaften mit Farbwulstgebirgen, mit Spachtelschründen und vielfarbigen Riefen dazwischen. Ralph Fleck ist so etwas wie ein abstrakter Impressionist – bei den „Giverny“-Motiven. Er ist aber auch ein Fotorealist – manchmal. Und wenn man weit genug weggeht.

Von Nahem besehen sind die Gemälde des in Freiburg lebenden 63-Jährigen allesamt abstrakt. Je größer die Distanz wird, desto gegenständlicher wirken sie. Und weil der Abstand manchmal sehr groß werden muss, bis man alle Bilder gesehen hat, die in dem einen von Ralph Fleck stecken, sind sie im Duisburger Museum Küppersmühle mit seinen hohen Hallen und weiten Fluchten geradezu ideal aufgehoben – bis Ende April sind sie nun hier zu sehen.

Akademischr Ausstellungstitel „Malerische Grenzauflösungen“

Der etwas akademische Ausstellungstitel „Malerische Grenzauflösungen“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier rund 100 Augenweiden-Leinwände zum Staunen freigegeben sind. Und man sieht, wie Flecks Bilder von Bücherregalen demselben Ordnungsmustersuchtrieb folgen wie seine Variation des „Montparnasse“-Wohnblocks, dem Andreas Gurskys manipuliertes XXL-Foto zu Berühmtheit verhalf. Mal meint man, zwischen den Regalen die Regenbogen-Rücken der legendären „Edition Suhrkamp“ zu erkennen, mal leuchtet es reclamgelb oder die Formate deuten auf Kunstkataloge, aber die Titel sind fast immer verschwommen. Es geht gar nicht um Inhalte, es geht um die Außenwelt der Innenwelt.

Es gibt Motive, die variiert Fleck seit Jahrzehnten – etwa seine alpinen Schneelandschaften, die hier in einem Raum versammelt sind, den man mit einer Daunenjacke betreten müsste, so sehr fröstelt’s einen. Die Landschaften sind so kalt wie die Schneebilder eines Caspar David Friedrich – nur einsamer. Flecks Schnee ist nie weiß, er ist grünlich, gräulich, mit Pastellfarben verschattet, und doch ist man sicher, Schnee zu sehen, zu riechen, zu spüren.

Stadtlandschaften zeigen London, Rom und Essen

Flecks Stadtlandschaften, nach Fotos gemalt, zeigen Leipzig, London, Hamburg, Rom und Essen von oben, New York im Orange der untergehenden Sonne und Amsterdam mal flirrend, mal mondrianisch abstrakt. Fleck malt stets ohne Skizzen, direkt auf die Leinwand. Und manchmal auch in Öl auf braunes Packpapier – seine hinreißenden Menschenskizzen aus Portugal, die lauter Typen vom gebeugten Geschäftsmann bis zur Rucksack-Touristin zeigen, sind in einem kleinen Kabinett zu sehen.

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