Die Dunkelheit im Innern

Florian Lange als Kriegsheimkehrer Beckmann in David Böschs düsterer Inszenierung. Foto: Arno Declair
Florian Lange als Kriegsheimkehrer Beckmann in David Böschs düsterer Inszenierung. Foto: Arno Declair
Foto: ARNO DECLAIR
In Bochum inszeniert David Bösch Wolfgang Borcherts Heimkehrer-Drama „Draußen vor der Tür“ als existenzielle Parabel der Verlorenheit. Kein einfacher Theaterabend, aber ein sehr bewegender.

Bochum. Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, jenes fast expressionistisch geschnitzte Stück um den Kriegsheimkehrer Beckmann, dem es nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern, wurde schon oft totgesagt. In Bochum zeigt Regisseur David Bösch nun, wie zeitgemäß das 1947 uraufgeführte Drama immer noch ist.

Dabei kommt er zu der Erkenntnis, dass Krieg und Tod, Verwundung der Seele und Verstümmelung der Körper nach wie vor allgegenwärtig sind – in Tschetschenien, im Kosovo, in Afghanistan – wie einst vor Verdun oder auf dem Kuban-Brückenkopf. Immer zerstört der Krieg auch jene, die schuldig wurden, die getötet haben. Der Soldat ist Opfer und Täter zugleich; vor allem das, findet Bösch, mache ihm das Wiedereinleben in die Normalität unmöglich.

Also präsentiert er kein anklagendes Heimkehrer-Opus, sondern eine existenzielle Parabel über die andere Seite des Menschen. Der Kreis des Krieges erschließt sich über Verlust, Verlorenheit und über das Sterben. Beckmann gibt es zweimal, einmal den verzweifelten Mann, der sich „draußen vor der Tür“ wähnt, und dann den „anderen Beckmann“, den Soldaten, den Killer. Der erste (großartig schäbig: Florian Lange) sucht verzweifelt nach einem Rückweg in die Normalität, der zweite (zynisch und böse: Nicola Mastroberardino) reißt ihn gewalttätig und obszön immer wieder zu sich zurück. Beckmann 1, der Heimkehrer, und Beckmann 2, der Soldat und Mörder, sind ein und dieselbe Person.

Das Bühnenbild spiegelt Beckmanns innere Behausung

So könnte man die von Dirk Thiele eingerichtete düstere Bühne – ein Torfbeet und eine Pfütze, umstanden von kahlen, schwarzen Mauern, das ist alles – weniger als Weltenbühne, vielmehr als Beckmanns innere Behausung, als seine Seelenkammer auffassen. Der Tod (hinkend und kriechend: Henrik Schubert), der liebe Gott (Raiko Küster gibt ihn als frustrierten Alt-Hippie), das Mädchen (somnambul: Kristina-Maria Peters), mit denen Beckmann seine Angelegenheiten verhandeln will, tauchen wie Gespenster aus einem Loch im Bühnenboden auf und verschwinden wieder darinnen. Im Zwiegespräch mit sich selbst bleiben die beiden Beckmanns im öligen Licht der Glühbirne allein – draußen vor der Tür zur ersehnten Alltagswelt wartet nichts auf sie als Kälte, Verlorenheit und Düsternis.

Kein einfacher Theaterabend, aber ein sehr bewegender.

  • Die nächsten Termine: 9. und 23. Mai
    Karten: Tel.: 0234/3333-5555

www.schauspielhausbochum.de

 
 

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