Die Blase hat noch Luft

„Die unsichtbare Hand“ im Schlosstheater Moers.
„Die unsichtbare Hand“ im Schlosstheater Moers.
Foto: NRZ
Nein, „Die unsichtbare Hand“, das neue Stück des Schlosstheaters Moers ist nicht von der Fleischerinnung gesponsert. Obwohl viel Wurst durch die Luft fliegt. Es geht auch nicht um dieselbe, sondern um „eine ökonomische Geisterbeschwörung“. So viel vorweg: Die Geister, die wir riefen, sind wir noch lange nicht los. Die Finanzblase ist geplatzt – es lebe die Blase. Und am Ende tanzen alle – auch die Zuschauer – buchstäblich um sie herum wie ums Goldene Kalb.

Moers. Nein, „Die unsichtbare Hand“, das neue Stück des Schlosstheaters Moers ist nicht von der Fleischerinnung gesponsert. Obwohl viel Wurst durch die Luft fliegt. Es geht auch nicht um dieselbe, sondern um „eine ökonomische Geisterbeschwörung“. So viel vorweg: Die Geister, die wir riefen, sind wir noch lange nicht los. Die Finanzblase ist geplatzt – es lebe die Blase. Und am Ende tanzen alle – auch die Zuschauer – buchstäblich um sie herum wie ums Goldene Kalb.

Der zentrale Satz des Stücks, dessen Text Intendant Ulrich Greb fast komplett aus Original-Zitaten zusammengestellt hat, ist der mit der be­kannten Wendung von Adam Smith: „Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin ge­führt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Be­wohner verteilt worden wäre.“ So hat er sich das gedacht, der schottische Philosoph des 18. Jahrhunderts. Da konnte er ja nicht ahnen, was die Ackermanns im 21. Jahrhundert da­raus machen würden: „Verwurstete Kredite“, bei de­nen es wurst ist, wer und wie viele dabei über die Klinge springen. Hauptsache die Ren­­dite stimmt. Gesichtslose, be­schlips­te Weißhemden zi­tie­ren die scheinheiligen, menschenverachtenden Sätze der modernen Fi­nanz­welt. Solche: „Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“.

Greb benutzt eine sehr di­rekte Bildsprache für sein Stück, dem Birgit Angele mit dem „Finanz-Highway“, an dessen Kreuzung die Zuschauer in der Theaterhalle sitzen, ein fabelhaftes Bühnenbild ver­passt hat. Alle Nase lang wird die Phrasendreschmaschine angeworfen, deren End­losschleife das geheuchelte „Dankeschön“ der Finanzwelt nach der Bankenrettung nicht glaubwürdiger macht. Und kaum ist die Krise überwunden, werfen die Herren in Schlips und Kragen wieder ihre Gelddruckmaschinen an und rasen im Bürostuhl-Ballett über den Finanz-Highway. So direkt die Bilder sind, so durcheinander wird geredet im Jargon der Börsenzocker. Da ist der Theaterbesucher ge­fordert – oder er gibt gleich auf, weil er gar nicht wissen will, was „Naked Short Selling“ ist oder der „Leverage-Effekt“. Fraglich, ob es nötig ist, die Ob­szönität dieser Sprache mit der, die in Freier-Foren be­nutzt wird, unterstreichen zu müssen.

Freilich: Amüsant ist dieses Stück nicht. Sind ja auch die Sätze nicht, die selbst der un­sichtbaren Hand, die im Stück wie ein Orakel befragt wird, die Sprache verschlagen.

Bleibt die Frage, warum Greb das Stück gemacht hat, wo doch mit „Gerechtes Geld“ schon eines auf dem Spielplan stand, das sich ebenso im Zitatenschatz bedient, dabei aber subtiler mit dem Thema um­geht. Und wenn er uns nun einen schillernden Reigen präsentiert, um die Börsianer in ihrer Selbstüberschätzung wo­möglich der Lächerlichkeit preisgeben zu können, so er­zählt er im Ergebnis nichts Neues: Es geht nicht um Menschen, sondern um Zahlen, und am Ende gewinnt immer die Bank. Langer Applaus.

 
 

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