Deutschlands regionale Denkmäler im freien (Ver)Fall

An diesen Sonntag laden viele Denkmäler in Deutschland wieder "Tag des offenen Denkmals". Doch in vielen Kommunen verfallen die Denkmäler. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt die Lage als „dramatisch“: Zwei Drittel der Anträge auf erhaltende Maßnahmen müssten abgelehnt werden.

Berlin/Potsdam. Das Besucherinteresse zum Tag des offenen Denkmals am 9. September ist ungebrochen. Doch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen sind viele der Baudenkmäler, die am Wochenende die Gäste anlocken, vom Verfall bedroht. Während für Denkmäler mit nationaler und überregionaler Bedeutung Geld vom Bund bereitgestellt werde, seien die Mittel in den Ländern und Kommunen in den vergangenen Jahren "dramatisch eingebrochen", sagte der Vorsitzende der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Gerd Weiß. Gleiches beobachtet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, bei der immer mehr Anträge auf finanzielle Unterstützung beim Erhalt von Baudenkmälern eingehen.

Laut Wolfgang Illert, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, erreichen die Initiative inzwischen jedes Jahr mehr als 1.000 derartige Anträge. "In den 1990er Jahren waren es noch rund 500 jährlich", sagte er im dapd-Gespräch. Die Stiftung, die sich zum großen Teil aus Spendengeldern finanziert, könne pro Jahr aber lediglich die Sanierung von 300 bis 400 Baudenkmälern fördern. "Zwei Drittel der Anträge müssen wir inzwischen ablehnen", sagte Illert.

Bund fördert nur Denkmäler mit überregionaler Bedeutung

Zwar gibt es Sonderprogramme des Bundes, diese fördern laut Denkmalpfleger Weiß jedoch nur den Erhalt national bedeutsamer Stätten und nicht der regionalen Denkmäler. Zudem sehen die Programme eine Mitfinanzierung der Länder in Höhe eines Drittels der Fördersumme vor. "Es ist richtig und wichtig, diese Denkmäler zu erhalten. Allerdings sind die Mittel, die den Ländern für Denkmalpflege zur Verfügung stehen, vielfach dadurch gebunden und fehlen an anderer Stelle", gab Weiß zu bedenken.

Zwar sei die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung für den Erhalt von historischen Stätten nach wie vor vorhanden und fange vieles auf. Jedoch sei der Denkmalschutz eine Gemeinschaftsaufgabe, aus der sich die öffentliche Hand nicht zurückziehen dürfe, sagte Weiß. Dieser Ansicht ist auch Stiftungschef Illert: "Es kann nicht Aufgabe der Stiftung Denkmalschutz sein, öffentliche Mittel zu ersetzen."

„Es fehlt an Ideen“

Besonders ernst sei die Situation inzwischen für die Baudenkmäler in den strukturschwachen Regionen, berichteten die beiden Experten übereinstimmend. Dazu zählten neben Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo viele leerstehende Herrenhäuser verfielen, auch Regionen im Westen, wie die Eifel, der Bayerische Wald, das Ruhrgebiet oder Oberhessen.

Weiß hofft auf die Kreativität der Privateigentümer zur Rettung der Bauten. In einigen Orten hätten sich therapeutische Einrichtungen in alten Herrenhäusern niedergelassen und diese vor dem Verfall bewahrt. Der Denkmalpfleger stellt allerdings auch fest: "Es fehlt an Ideen."

Wolfgang Illert hat zwar durchaus Verständnis dafür, dass Länder und Kommunen "den Gürtel enger schnallen müssen". Seiner Ansicht nach würde es aber wirtschaftlich Sinn machen, in den Erhalt von alten Bauwerken zu investieren. "Das Geld würde dazu beitragen, insbesondere in den strukturschwachen Regionen, Unternehmen und Arbeitsplätze zu sichern", zeigte er sich überzeugt. (dapd)