Des Sommers schönste Seiten - Buchtipps für die Sommerferien

Britta Heidemann
Sommer, Strand und Buch – hier am Essener Beachclub.
Sommer, Strand und Buch – hier am Essener Beachclub.
Foto: ddp
Strandlektüre, Balkonbücher, Stadtgeschichten aus aller Welt: Wir stellen Romane und Krimis für die großen Ferien vor. Mit dabei: ein Mordkomplott auf Kreta, Sinnsuche in Norwegen, eine Zeitreise in Paris und noch mehr Lesestoff, der das Gepäck bereichert.

Essen. Jedes Buch ist seine eigene Welt. Und doch sind manche Schauplätze ein Spiegel. Ob Sie nun nach Frankreich, Italien oder in die USA reisen, ob Sie den Sommer am holländischen Strand oder auf dem heimischen Balkon genießen: Wir stellen Literatur aus aller Welt vor, die Ihr Gepäck garantiert bereichert.

Großbritannien

London in Zeiten der Finanzkrise: In einem „Deli“ im schicken Notting Hill hört Heldin Lee Handygespräche mit und ab, als Vorlage für einen Roman. Auch Lees Ehemann, ein Banker, und eine betagte alte Dame suchen auf je eigene Weise ihr Glück im wunderbar weltsatten Werk „Das Glück von Frau Pfeiffer“ (Berlin University Press, 211 S., 19,90 €) der Kölner Autorin Husch Josten. Und, welch Wunder: Sie finden es sogar, das Glück!

Niederlande

Der Herr Doktor als Menschenfeind: Der niederländische Autor Herman Koch beweist in „Sommerhaus mit Swimmingpool“ (Kiepenheuer & Witsch, 346 S., 19,99 €) erneut seinen Hang zu dubiosen, nahezu zynischen Erzählstimmen. Zwei Paare im Strandurlaub, es wird heiß (und heißer), ein Verbrechen geschieht. Der Arzt nimmt Rache – aber womöglich trifft sein Hass den falschen? Spannend und doppelbödig bis zum Schluss.

Frankreich

Zur Zeitreise ins Paris der 60er Jahre lädt Franzose Patrick Modiano im traumschönen Roman „Das Café der verlorenen Jugend“ (Hanser, 160 S., 16,90 €). Einer geheimnisvollen Schönen, Louki genannt, nähert er sich aus verschiedenen Perspektiven und in klangvoll-melancholischen Sätzen: ach, das Leben der Bohéme!

Griechenland

Im Kurzurlaub auf Kreta wird Studentin Maria in ein Mordkomplott verwickelt: Dem deutschen Autor Kai Hensel gelingt in „Das Perseus-Protokoll“ (Frankfurter Verlagsanstalt, 316 S., 19,90 €) das Porträt eines Landes, das in Schulden, Müll und Chaos versinkt. Dass der Krimi selbst am Ende allzu rasant abhebt, sei ihm drum verziehen.

Italien

Zugegeben: Auf malerische Landschaftsskizzen muss der Leser verzichten. Schließlich beschreibt Niccoló Ammaniti in „Sie und Er“ (Piper, 160 S., 14,99 €) eine kapitale Urlaubsvortäuschung: Ein Vierzehnjähriger gaukelt seinen Eltern vor, er hätte Freunde, mit denen er in den Urlaub fährt – und zieht sich mit Computer, Büchern und Selbstbräunungslotion in ein Kellerversteck zurück. Dort trifft er, schräger Zufall, seine Halbschwester. Ein Roman, der uns poetisch und weise daran erinnert, dass das Erwachsenwerden noch schwerer ist als das Erwachsensein.

Norwegen

Das Unterfangen Karl Ove Knausgards monumental zu nennen, wäre noch untertrieben: Der Norweger setzt die skandinavische Tradition dunkler Selbst- und Sinnsuche mit einem sechsbändigen Werk fort, dessen zweiter Teil „Lieben“ (Luchterhand, 768 S., 24,99 €), soeben auf Deutsch erschien. Schonungslos beschreibt er eigene Sehnsüchte, Zweifel, Versagensängste – und den Stresstest des Kinderhabens. Mit diesem Denkanstoß im Gepäck lässt sich der Familienurlaub gelassener angehen.

Schweiz

Zürich, international: Der indischstämmige Autor Sunil Mann schreibt schräge, schnelle Krimis um einen ebenfalls indischstämmigen Privatdetektiv und lässt die Schweiz in neuem, internationalem Licht scheinen. Pünktlich zur zweiten Ferienhälfte erscheint „Uferwechsel“ (Grafit Verlag, 320 S., 10,99 €).

Australien

Ein Vorort von Melbourne, ein Grillfest – eine Ohrfeige, die ein Dreijähriger erhält. An diesem Moment entzündet sich ein Familienzwist über Generationen hinweg, den der griechischstämmige Australier Christos Tsiolkas vielstimmig und formal gekonnt auffächert. Selten wurden die Lebens- und Liebeslügen der Mittelschicht so bitter-böse und unterhaltsam entlarvt wie in „Nur eine Ohrfeige“ (Klett-Cotta, 510 S., 24,95 €).

USA

Wenn Sie es wirklich noch nicht getan haben, lesen Sie Jeffrey Eugenides grandioses Großgedicht auf die Gefühle: „Die Liebeshandlung“ (Rowohlt, 624 S., 24,95 €) !

Deutschland, zukünftig

Ganz Hamburg ist fest in chinesischer Hand – ganz Hamburg? Nein, ein letzter aufrechter Unternehmer kämpft gegen „Das Ende unserer Tage“ (Klett-Cotta, 462 S., 22,95 €): Im Debütroman gelingt Christian Schüle das Zukunftsporträt einer globalisierten Gesellschaft und die Kunst, mit leicht schräger Unterhaltung aber doch zu erschüttern.