Der teutonische Türke

Foto: imago stock&people

Mal bezeichnet er sich als Teuto-Türke, mal als Türko-Germane. Comedian Kaya Yanar sitzt kulturell zwischen zwei Stühlen. Unlängst veröffentlichte Yanar sein erstes Buch („Made in Germany“), im April präsentiert er sein neues Bühnenprogramm. Wir sprachen mit dem 37-Jährigen.

Herr Yanar, Ihr neues Programm heißt „All Inclusive!“. Worum geht’s darin?

Yanar: Ich erzähle zwei Stunden lang von meinen Reisen in Europa, Asien, Südamerika oder Australien. Ich vergleiche fremde Kulturen, Sprachen und Mentalitäten mit Deutschland – immer aus der Sicht des Komikers.

Ihr Vater verließ die Türkei in den 70er Jahren. Wo haben sich Ihre Eltern kennengelernt?

Yanar: In Antakya. Da war mein Vater bereits 37. Er hat das gemacht, was damals so üblich war: sich in Deutschland die Hörner abstoßen und sich dann eine 17-Jährige aus der Türkei holen. Die klassische Nummer. (lacht)

Wie ist es Ihren Eltern in Deutschland ergangen?

Yanar: Sie kamen relativ gut zurecht. Allerdings hat sich mein Vater immer ein bisschen schwer getan, weil er die deutsche Sprache nicht so richtig beherrschte und dadurch Minderwertigkeitskomplexe und Schwierigkeiten im Job hatte. Meiner Mutter erging es besser. Sie bildete sich weiter und nutzte die Chancen.

Bei Ihnen zu Hause wurde nie gefeiert. Sind Sie Unterhaltungskünstler geworden, weil Sie vieles nachzuholen hatten?

Yanar: Als Kind fand ich das Nichtfeiern total doof. Mein Vater war bis zum Schluss ein Feiermuffel. Er konnte wahnsinnig witzig sein, war aber aufgrund seiner Lebensumstände kein fröhlicher Mensch. Einer der Gründe, dass ich letztendlich Komiker geworden bin, ist, dass ich immer versucht habe, meinen Vater zum Lachen zu bringen.

Große Teile der türkischen Einwanderer seien nicht integrationsfähig bzw. integrationswillig – behauptet Thilo Sarrazin. Wie denken Sie darüber?

Yanar: Wenn es so wäre, wäre es schlimm. Ich glaube aber nicht daran. In meinem kleinen Bekanntenkreis kenne ich moderne Türken, die vollkommen integriert sind und ihr eigenes Geschäft haben. Aber ich kenne auch sehr traditionelle Leute. Die sind in den 60ern mit einem gewissen Wertesystem nach Deutschland gekommen und bis heute so geblieben, während die Türkei immer moderner wird.

Die Türken sind angeblich viel emotionaler als die Deutschen. Sind Sie in dieser Hinsicht türkisch? Yanar: Ich werde eher immer deutscher. Das merke ich meist dann, wenn ich Urlaub in der Türkei mache. Dann möchte ich zuerst jedem die Hand schütteln statt auf die Wange zu küssen. Die Türken sagen dann immer, ich sei wie ein Eisblock, der mit der Zeit auftaut. Nach zwei Tagen spüre ich auch bei mir diese südländische Wärme und Nähe.

Wie oft reisen Sie in die Türkei?

Yanar: Ich fahre alle zwei, drei Jahre runter. Jedoch zur türkischen Sprache habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Allgemein mache ich mich gern über Sprachen lustig, weil ich der Meinung bin, dass sie Menschen separieren. Eine Weltsprache wäre nicht schlecht.

In Ihrem Buch begegnen wirwieder Francesco, Hakan und Ranjid. Sind Sie tatsächlich mit Italienern, Türken und Indern aufgewachsen?

Yanar: In Frankfurt waren meine besten Freunde ein Italiener und ein Grieche. Der starke Akzent und die vielen falschen Wörter, die ich jeden Tag zu Hause und im Freundeskreis hörte, haben mich geprägt. Wenn ich heute gebrochenes Deutsch höre, denke ich sofort liebevoll an meinen Vater.

 
 

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