Der ewige Hippie

Neil Young: Umweltaktivist, Farmer, Poet und im Nebenjob das gute Gewissen Nordamerikas. Seine Mission führt den Musiker („Heart Of Gold”) im Juli auch wieder nach Deutschland, u.a. am 9. Juli nach Oberhausen.

Mr. Young, Sie kämpfen für alternative Energien, Hybrid-Autos und den Umweltschutz. Sind Sie das gute Gewissen der USA? Der Botschafter der Vernunft?

Young: Ich bin mein eigener Botschafter und nichts anderes – ich spreche für niemanden. Aber ich habe ein Gewissen, definitiv. Ich weiß, was ich glaube (lacht). Aber ich kann eben niemandem vorschreiben, was er zu denken hat. Ich kann nur sagen, was ich fühle. Und wenn sich die Leute damit identifizieren können – toll! Wenn nicht – auch okay. Ich mache einfach das, was ich ohnehin machen würde.

Haben Sie als Kanadier ein gespaltenes Verhältnis zu Ihrer Wahlheimat? Einerseits hängen Sie dem amerikanischen Traum nach. Andererseits sind Sie hyperkritisch gegenüber der Regierung, der Wirtschaft und ihren Mit-menschen. Schizophren?

Young: Vielleicht. Aber Amerika an sich ist ja ein einziger großer Widerspruch. Darauf haben wir hier ein Monopol. Und das ist schon irre. Deshalb mache ich ja auch bei solchen Sachen wie „Farm Aid” mit. Da versuchen wir, eine vernünftige Landwirtschaft zu fördern.

Sie haben also eine Mission?

Young: Klar. Denn wenn du Veränderungen herbeiführen willst, dann musst du selbst anfangen. Andere Leute sehen es, und auch sie verändern ihr Verhalten.

Also hängt das Schicksal Amerikas nicht von der nächsten Präsidentschaftswahl ab, sondern davon, was die Leute selbst verändern?

Young: Richtig. Die Leute machen es jetzt alleine – wer braucht noch Politiker? Die Leute, die die heutige Welt leiten, sind keine Politiker. Sondern es sind die Großkapitalisten, die bestehenden Systeme nutzen.

Sie selber betreiben Landwirtschaft. Wie autark arbeitet Ihre Farm?

Young: Ziemlich. Ich habe da alles, was ich brauche. Und es ist ein rein organischer Ort. Komplett ohne Chemie. Es ist alles sehr gesund. Und deshalb habe ich auch prachtvolle Kühe, auf die ich sehr stolz bin.

Und dort befindet sich auch Ihre gigantische Modelleisenbahn-Sammlung?

Young: (stolz) Stimmt. Ich habe da ein paar alte Stücke. Wobei die jetzt nicht alle werweißwie teuer sind. Eine gute Eisenbahn bekommt man schon für 400 Dollar. Es sind nur die raren Sammlerstücke, die richtiges Geld kosten. Und davon habe ich auch ein paar. Aber das sind Antiquitäten – die kommen hinter Glas und nicht auf die Schienen.

Sprechen wir über Musik: Sie haben mit „Ordinary People” eine 18-minütige Single veröffentlicht. Ihnen war klar, dass der Song nicht im Radio gespielt werden würde?

Young: Ach, das täten die Sender auch nicht, wenn er nur zwei Minuten lang wäre. Also: Was macht das für einen Unterschied? Überhaupt hat das Internet längst die Funktion der Sender übernommen. Da können die Leute endlich die Musik hören, die sie wollen. Ohne Werbung.

Musikvideos schauen sich die Kids ja auch vermehrt im Netz an statt auf MTV...

Young: Ja, die Medien bekommen gerade eine Lektion erteilt. Und zwar in der Hinsicht, dass das Internet den Leuten erlaubt, die Medienmacht zu übernehmen. Wir haben die Möglichkeit zu kommunizieren und jede Neuigkeit sofort zu verbreiten. Was auch Fehlinformationen bedingt. Es läuft in beide Richtungen.

Zum Schluss: Könnten Sie sich vorstellen, wieder mit ihrer alten Band Crazy Horse aufzutreten?

Young: Vielleicht. Es ging ja lange Zeit nicht, weil Poncho für NBC gearbeitet hat. Er ist in der Jay-Leno-Show. Das ist der sichere Job, von dem er immer geträumt hat. Denn bei Crazy Horse ist alles so sporadisch. Er geht aber bald in Rente – (lacht) und dann ist er ja wieder verfügbar.

 
 

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