Der beste Martin Luther-Comic seit Lukas Cranach

Andrea Grosso Cipontes und Dacia Palmerinos „Martin Luther“.
Andrea Grosso Cipontes und Dacia Palmerinos „Martin Luther“.
Foto: Edition Faust
Andrea Grosso Cipontes und Dacia Palmerinos Gaphic Novel erzählen in facettenreichen Bildern das Leben des Augustinermönchs.

Essen.. Dies ist nicht der erste Versuch, das Leben und Werk des Reformators Martin Luther in Form eines Comics nachzuerzählen, aber hinsichtlich der Farbpracht und der ungeschminkten Erzählweise ist es sicherlich die bislang gelungenste grafische Biografie. Der Italiener Andrea Grosso Ciponte verschmilzt in „Martin Luther“ mit seinen Comic-Gemälden die klassischen Darstellungen eines Lucas Cranach d. Ä. und Hieronymus Bosch mit einem bisweilen fotorealistischen Stil.

Gemeinsam mit der Texterin Dacia Palmerino entwirft er ein facettenreiches Bild jener Zeit, in der Luther aufwuchs, sich durch das Blitz-Erlebnis zum Mönch berufen fühlte, um schließlich römisch-katholische Unsitten wie den Ablasshandel und andere Dogmen in Frage zu stellen.

Bauernkriege und Antisemitismus

Dass dies zur Spaltung der christlichen Kirche führte, ist Allgemeinwissen. Doch wird gern vergessen, dass diese Revolution indirekt den blutigen Bauernkrieg beflügelte, obwohl Luther selbst gegen diesen Aufstand predigte. Auch Luthers unrühmliche antisemitische Haltung verschweigt der Comic nicht.

Es verdient Respekt, wie dieser Band, dessen Entstehung mit Mitteln der Evangelischen Kirche gefördert wurde, ein Bild eines streitbaren und umstrittenen Denkers entwirft, dem die Deutschen ganz nebenbei die heutige Ausformung ihrer Sprache zu verdanken haben.

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