Deine Stimme zählt

Foto: hanjo schumacher / press image

Zu Hause, in der Kneipe oder im Internet: Der Nachsing-Spaß aus Asien boomt auch bei uns.

Augen zu, tief Luft holen, das Mikrofon beherzt mit beiden Händen umschließen – und los: „Säää fainääääl countdooown!!!” Tadadadaa, tadadatata... Aah, so muss sich ein Rockstar fühlen! Zugegeben, die Bühne ist vergleichsweise winzig, die Musik dröhnt nicht aus mannshohen Marshall-Boxen, und das Publikum scheint eher amüsiert als aus dem Häuschen zu sein. Egal, die Augen wieder geschlossen und weitergesungen – dieser Moment gehört mir allein!

Pathos vor Publikum – das liegt im Trend: Dem großen Boom der Castingshows ist es zu verdanken, dass die geniale Idee des Japaners Daisuke Inoue – nämlich Hits selber zur Instrumentalbegleitung zu trällern – sich auch in unseren Breiten als Partyspaß etabliert hat; immer mehr Badewannen-Barden fühlen sich durch Formate wie „Popstars” oder „DSDS” animiert und wagen den Sprung ins kalte Karaoke-Wasser. In Asien jedoch reicht die Tradition viel weiter zurück: Anfang der 70er Jahre hatte besagter Inoue die ersten Karaoke-Anlagen gebaut und die tönenden Erfüllungsgehilfen für Möchtegern-Stars an Gaststätten vermietet. Mittlerweile gehören in Asien Karaoke-Bars zum Straßenbild wie Fahrräder – in Shanghai soll es 20 000 Singstuben geben.

Auch im freizeit-Land erhöht sich stetig die Dichte an Lokalen (siehe Kasten), die ihre Gäste regelmäßig zum Mitträllern einladen – übrigens ein Indiz dafür, dass Globalisierung nicht immer gleichbedeutend mit Amerikanisierung ist. Aus den Staaten hat man sich lediglich den Wettbewerbsgedanken geborgt: Nicht selten gehen Mitsing-Meetings in Form von Talentshows über die Bühne. Das Düsseldorfer „El Papagayo” z.B. sucht seit einigen Wochen den „Karaoke Star 2008”, das „Matrix” in Bochum verknüpft seine Karaoke-Party mit einer Luftgitarristen-Meisterschaft!

Doch auch wer sein Gesangskönnen nicht gleich vor fremden Ohren ausloten möchte, darf dem Träller-Trend frönen: Einer wachsenden Beliebtheit unter Sofa-Sängern erfreuen sich Spielkonsolen-Produkte wie „SingStar” (de.playstation.com) oder auch das innovative „MagicSing”-Mikrofon (http://www.magic-sing.de/): Auf einem integrierten Chip sind hier Musik, fertige Clips und Texte gespeichert – das Mikro muss lediglich ans heimische TV-Gerät angeschlossen werden. Mit ca. 250 € ist das allerdings ein teures Vergnügen, Steckkarten mit zusätzlichen Songs kosten noch einmal um 100 €.

Weitaus günstiger kommen da Karaoke-Communities im Internet: Auf MikeStar (http://www.mikestar.com/) oder TalentRun (http://www.talentrun.de/) stellen die Nutzer ihre Sangesversuche als Videoclips online. Per Voting stimmen Homepage-Besucher dann über die Güte der veröffentlichten Karaoke-Kostproben ab. Misslingt die Darbietung, können auch schon mal verbal Eier und Tomaten fliegen.

Kleiner Tipp zum Schluss: Wählen Sie für Ihr Karaoke-Debüt niemals „The Final Countdown” von Europe, „Stayin' Alive” von den Bee Gees oder ähnlich Hochtönendes. Glauben Sie mir, Ihre Stimmbänder und Zuhörer werden es Ihnen ewig danken!

 
 

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