Das Rock-Magazin „Visions“ kennt das Geheimnis ewiger Jugend

Georg Howahl
Michael Lohrmann, Herausgeber des Musikmagazins Visions, blickt auf 25 Jahre und über 200 Ausgaben zurück.
Michael Lohrmann, Herausgeber des Musikmagazins Visions, blickt auf 25 Jahre und über 200 Ausgaben zurück.
Foto: Visions
Am Wochenende gibt’s ein Festival, denn das Dortmunder Magazin für Alternative Rock feiert seinen 25. Geburtstag - und hat sich die Frische erhalten. Ein Gespräch mit Chefredakteur Michael Lohrmann über Kurt Cobain, Rock’n’Roll-Lifestyle und größenwahnsinnige Vertriebsdeals in der Dönerbude.

Dortmund. So ist das mit den jungen Magazinen: Auf einmal sind sie 25 und viele ihrer coolsten Geschichten sind, nun ja, Geschichte. Dabei kann man das Dortmunder Magazin Visions wahlweise betrachten als Sprachrohr für den Sound der 90er, als erste Infoquelle für Alternative-Rock oder als..., ja, als was eigentlich? „Unser Herz schlägt für Gitarrenmusik, das ist die ganz große Formel, davon leitet sich am Ende des Tages alles ab“, sagt Michael Lohrmann, der fast von Anfang an dabei war und längst Herausgeber des Magazins ist.

Dabei hätte man am Anfang kein Hansa-Pils auf den Erfolg verwetten mögen: Unter dem Namen „Psychopath“ 1989 mit Schreibmaschine, Schere und Klebestift in Schülerzeitungsmanier zusammengepappt, dann auf dem Kopierer hundertfach vervielfältigt, zeichnete sich das dubiose Machwerk erst als Fachorgan für jungen, brutalen Metal aus. Doch schon mit der Nummer 7, der ersten am Kiosk erhältlichen Ausgabe (Titelstory: Soundgarden), zeichnete sich optisch wie inhaltlich der Schwenk ab: Der damalige Chef Daniel Oeding, Lohrmann und weitere Mitstreiter hatten erfasst, dass es einen neuen, frischen Rock gab mit Bands wie Nirvana, Pearl Jam, Smashing Pumpkins, Bands also, die heute Legenden oder Veteranen sind.

Rock-Legenden, längst tot

Für einen jungen Gitarrensound steht Visions, das zu den vier größten deutschen Musikmagazinen zählt, heute noch. „Wer Bands wie Dredg, Mother Tongue oder La Dispute kennt, hat sie mit hoher Wahrscheinlichkeit über uns kennengelernt. Weil wir uns als Magazin verstehen, das den Leuten neue Musik nahebringt“, so Lohrmann.

Er selbst hat in jungen Jahren einige denkwürdige Begegnungen gehabt. „Das Interview mit Kurt Cobain fällt mir da natürlich sofort ein, das aber in dem Moment, in dem es passiert ist, gar nicht so glanz- oder glorreich war, wie es hinterher gemacht wurde. Was eher mit der Entwicklung der Band, dem Freitod von Cobain und der daraus entstandenen Mythen- und Legendenbildung zusammenhängt.“ Auch mit Layne Staley, dem Sänger von Alice In Chains, hat er gesprochen – und im Tourbus gekifft. Beide sind Rocklegenden, beide waren nur wenig älter als Lohrmann, beide sind längst tot. Waren sie Opfer des Rock’n’Roll-Lifestyles? Lohrmann sieht das differenzierter: „Ich glaube, das sind zwei spezielle Fälle. Ich glaube, dass beide schon vor dem Erfolg als Rockstars nicht mit ihrem Leben klarkamen.“

Gespür für Angesagtes

Behält jemand wie Lohrmann, der schon so viel gesehen und gehört hat, denn immer noch ein Gespür dafür, was angesagt ist? „Ich glaube, dass ich mir das so gut erhalten habe, wie es möglich ist. Es wird natürlich im Laufe der Zeit immer schwieriger, dass man von Bands total mitgerissen wird, weil man eben schon viel gehört hat. Aber außer mir sitzen hier ja auch noch ein paar Redakteure, die jünger sind als ich und die immer wieder nachgewachsen sind. So dass das Frische auch nach 25 Jahren erhalten geblieben ist.“

Visions feiert 25. Geburtstag: Mit Kraftklub, Thees Uhlmann, Royal Republic und Marcus Wiebusch (Sa., 25.10.,Westfalenhalle 1, ab 17 Uhr). Karten an der Tageskasse 33€. Infos: www.visions.de