„Das Ende vom Anfang“ in Düsseldorf

Wolf Aniol und Winfried Küppers in „Das Ende vom Anfang“.
Wolf Aniol und Winfried Küppers in „Das Ende vom Anfang“.
Foto: Sebastian Hoppe
Von der Stange: Sean O’Caseys „Ende vom Anfang“, am Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Regie von Michael Abendroth zu sehen, ist eher Trauerspiel denn clevere Clowneske – mechanisch, samt Theaterblut und Mehlwolken.

Düsseldorf..  Schillers Neigung zum Idealismus ging weit: Mit der Heirat käme schon noch die Liebe. Das Theater vor und nach ihm wollte wenig davon wissen. Auch Inselschriftsteller nicht - wie der Ire Sean O’Casey. In „Das Ende vom Anfang“ zeigt er das pure, motzige Einerlei ehelicher Bindung. Wie immer Darry und Lizzie einst Amors Pfeil traf: Er muss der reine Widerhaken gewesen sein. O’Casey setzte dem Knatsch vom Land mit einem alten Märchenmotiv die Krone auf. Mann und Frau tauschen einen Tag die Rollen. Sie auf den Acker, er an den Herd. Das Ende ist Verwüstung und reine Männersache.

„Das Ende vom Anfang“ - große Inszenierungen großer Regisseure haben es durchaus beweisen können -- ist rüde Klamotte und hintersinniger Weltenbrand in einem, Clowneske und clevere Klischee-Travestie. An Düsseldorfs Schauspielhaus aber gerinnt das Stück zu einer etwas längeren Stunde, die einem immer noch 40 langweilige Minuten beschert. Dabei sollte die auf den Spielplan gesetzte, katastrophengesättigte Hausmannskost eigentlich eine Spaßspritze fürs taumelnde Haus am Rhein sein. Das schlimme Gegenteil ist der Fall. Von der Stange: Peter Lerchbaumers tümelnde Wohnküchenbühne. Von der Regie streckenweise herzlos verlassen: drei tapfere Schauspieler (Marianna Hoika, Wolf Aniol, Winfried Küppers), die diese Zimmerschlacht verlieren, weil Michael Abendroths Inszenierung ihnen kein Vertrauen in die wüste Farce geschenkt hat.

Dabei müsste Abendroth, selbst Schauspieler, doch wissen, dass schon der hohe, fast sterile Ton, in dem er das Paar eingangs zanken lässt, der rustikalen Eskalation schlimme Hürden baut. Müsste seinem Ensemble zirzensische Perfektion schenken, wenn sie klettern und keifen, turnen und porzellanzerdeppernd spülen. Aber noch der Untergang zwischen wildgewordenen Kühen und leckenden Ölfässern naht mit einer leidenschaftslosen Gleichförmigkeit, die sogar das Publikum lähmt. Es gibt zählbare Lacher, an denen selbst Blinde nicht vorbei kommen, der Rest ist Schweigen, am Ende sind es gar Buhs.

Was Männer anrichten, davon will O’Casey erzählen. Hier aber wird kaum mehr als Verrichtung sichtbar, mechanisch, samt Theaterblut und Mehlwolken. Kein Anfang, nur ein Trauerspiel, so leid es uns tut.

Termine: Tel. 0211-369911

 
 

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