Chefs sindgefragt

Wie erkennt ein Chef überhaupt introvertierte Menschen und tut sie nicht gleich als faul oder unfähig ab?

Hollstein: Meistens erkennt man schon an der Arbeitsleistung oder an den Ergebnissen die Introvertierten. Sie sind sehr fleißig. Sie gehen den Dingen auf den Grund. Und man erkennt sie an der Kommunikation. Ich habe Mitarbeiter, die immer vorne in der ersten Reihe stehen und offen und locker reden. Und dann habe ich welche, die lieber erst sprechen, wenn sie etwas Konkretes gefragt werden.

Wie können Vorgesetzte die Introvertierten fördern?

Chefs sind da gefragt, auf diese Menschen zuzugehen. Immer wieder ansprechen, fragen, loben, klare Absprachen treffen, Ziele und Teilziele setzen. Diese Menschen haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Es ist wichtig, dass sie merken, es ist Interesse da, meine Meinung ist gefragt.

Bei Meetings reden ja oft immer die gleichen. Was kann eine Führungskraft tun?

Viele Introvertierte haben nicht den Drang, ihre Meinung unbedingt äußern zu müssen. Der Teamleiter sollte daher alle Teilnehmer gezielt ansprechen und neue Regeln fürs Meeting einführen: Wortmeldungen sind besser als wenn alle durcheinanderreden. So kommt jeder mal an die Reihe. Er sollte darauf achten, dass nicht unterbrochen wird, und Kritik unmittelbar nach Beiträgen unterbinden.

Und wie unterstützt man Introvertierte sonst noch bei der täglichen Arbeit?

Einzelbüros sind ja leider häufig gar nicht möglich. Man könnte aber auch in einem Großraum die Introvertierten zusammensetzen, um konzentrierteres Arbeiten zu ermöglichen. Und sie sollten Aufgaben bekommen, die auch zu ihren Stärken passen. Sie möchten vielleicht nicht verkaufen, sondern lieber das Ganze vorbereiten.

Und wenn die Führungskraft selbst introvertiert ist?

Viele Führungskräfte sind introvertiert. Auch sie können teilweise noch an ihrem Selbstvertrauen und ihrem Auftreten arbeiten. Dafür erkennen sie Ihresgleichen besser und wissen um die Stärken der introvertierten Mitarbeiter.

 
 

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