Bücher über Alkohol: Wenn Autoren über den Rausch schreiben

Schaut gerne mal tief ins Glas: Autorin Elisabeth Raether.
Schaut gerne mal tief ins Glas: Autorin Elisabeth Raether.
Foto: Andreas Lux
Die Tage werden kürzer, die Nächte länger: Zwei neue Bücher von Elisabeth Raether und Benjamin von Stuckrad-Barre handeln vom (Nicht-)Trinken.

Essen. Er sitzt an der Bar, bestellt einen Whisky, prostet sich selbst zu – eine superlässige Geste. Und wenn dieser Er eine Sie ist? Obwohl Frauen Studien zufolge ebenso so viel trinken wie Männer, betrachten wir die Dame an der Bar noch immer mit anderen Augen. Und wenn die Journalistin Elisabeth Raether über Alkohol schreibt, dann heißt die Kolumne (im Zeit-Magazin) natürlich: „Die trinkende Frau“.

Raether, die 2008 gemeinsam mit Autorin Jana Hensel im Buch „Neue deutsche Mädchen“ eine Wiederbelebung des Feminismus forderte, macht das Trinken aber nicht nur zu einem „Akt des Widerstands“ (das wäre ja auch „ein bisschen frivol“). Sondern betont vor allem die lustvolle Seite des Unterfangens, in einem sehr normalen, geradezu langweiligen Berliner Leben das passende Getränk für jede Lage zu finden: Beim Manhattan Perfect verrät sie ihrer besten „Saufkumpanin“ intimste Träume, macht mit einem Glas Wein den Mittagstisch zur festlichen Tafel, begießt den Pärchenabend mit Raki.

Wir lernen: Frauen sind auch nicht anders als Männer, so nachts an der Bar. Morgens vor dem Spiegel allerdings öffnet sich der Graben zwischen den Geschlechtern erneut: Denn „trunkene Melancholie, behagliches Selbstmitleid“ – gehören Männern. Frauen „haben Stress, verquollene Augen und eine große Auswahl kühlender Cremes im Badezimmerschrank“.

Über diese und jene Momente des Katers erhaben

Nur Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre ist über diese und jene Momente des Katers erhaben. „Morgen früh werde ich ein Gewinner sein“, so beginnt sein kleiner Text über die rauschfreie Zone des eigenen Kopfes, der Titel: „Nüchtern“. Einen Abend, der für viele steht, erlebt er mit einem Wasser in der Hand. „Noch eins mit“ heißt für ihn: „mit Kohlensäure“.

Über die Höhen und Tiefen seiner Drogensucht und den rettenden Engel Udo Lindenberg schrieb Stuckrad-Barre im autobiografischen Buch „Panikherz“. Seit Jahren ist er nun abstinent: „Die Gläser klingen, die Korken knallen, der Abend nimmt Fahrt auf, nur nimmt er mich nicht mit.“ Dafür erfasst sein nicht-vernebelter, kühler Blick den ganzen alkoholischen Fluss, die Dynamik des kollektiven Rauschs: „Ein typisches Betrunkenengespräch ist gebaut wie ein Meisterwerk der klassischen Musik, mit mal sich entfernenden, dann wieder annähernden Umkreisungen eines Grundthemas.“

„Bausparerrausch“ und „Verkostungstristesse“

Fürs „vernünftige“ Trinken, etwa „ein gutes Glas Wein“, für solcherlei „Bausparerrausch“ und „Verkostungstristesse“ hat der Autor nur die ganze Verachtung des Ex-Berauschten übrig. Und größtes Verständnis für die „Nachtzerstörten“, die ihm entgegentaumeln – wenn er am nächsten Morgen zum Joggen aufbricht. Gewinner sind, nüchtern betrachtet, wohl auch nur Verlorene.

  • Elisabeth Raether: Die trinkende Frau. Piper, 128 S., 14 €
  • Benjamin v. Stuckrad-Barre: Nüchtern am Weltnichtrauchertag. KiWi, 80 S., 8 €.
 
 

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