Branche diskutiert auf Buchmesse über Strukturwandel

Buchmessen-Direktor Juergen Boos wirft globalen Konzernen, die auf den Buchmarkt drängen wie Apple und Amazon, mangelnde Leidenschaft für dieses Geschäft vor.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos wirft globalen Konzernen, die auf den Buchmarkt drängen wie Apple und Amazon, mangelnde Leidenschaft für dieses Geschäft vor.
Foto: dpa
Von Mittwoch bis Sonntag öffnet die größte Buchmesse der Welt in Frankfurt ihre Pforten. Zu den Hauptthemen der Messe zählen die Zukunft kleiner Buchläden sowie der Strukturwandel in der Branche: Globale Konzerne drängen in die Verlagsbranche und Online-Händler binden immer mehr Kunden an sich.

Frankfurt/Main. Die Zukunft der Buchhandlung um die Ecke gehört zu den Hauptthemen der Frankfurter Buchmesse. "Die Marktanteile im stationären Buchhandel gehen seit Jahren zurück - und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern - aber der Schwund schreitet langsamer voran", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Dienstag in Frankfurt. Er beobachte "ein neues Selbstbewusstsein" bei den klassischen Buchhändlern.

Dass die Buchpreisbindung erhalten bleibt, hält Honnefelder für unerlässlich. Würde sie abgeschafft, "wäre das Ende der stationären Buchhandlung eingeläutet. Das Geld würde den Geist dominieren." Sorgen macht Buchhändlern wie Verlegern auch die immer größere Marktpräsenz globaler Konzerne wie Google, Apple und Amazon. "Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei", findet Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Denis Scheck kritisiert Buchpreisvergabe an Terézia Mora

Die weltgrößte Buchmesse mit 7300 Ausstellern aus 100 Ländern wird am Abend (17 Uhr) eröffnet. Von Mittwoch, 9. Oktober, bis Sonntag, 13. Oktober, werden rund 280.000 Besucher erwartet. Insgesamt gibt es rund 3000 Veranstaltungen. Etwa 1500 Autoren werden nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen. Ehrengast ist Brasilien.

Als "unglaubliche Fehlentscheidung" hat ARD-Literaturkritiker Denis Scheck die Vergabe des Deutschen Buchpreises an Terézia Mora für "Das Ungeheuer" bezeichnet. Der 700-Seiten-Roman sei selbstquälerisch und weinerlich und treibe das Mitleid in eine neue Dimension, sagte Scheck ("Druckfrisch") im Deutschlandfunk.

Mora, die aus Ungarn stammt und in Berlin lebt, hatte den renommierten Preis am Montagabend in Frankfurt erhalten. Die Jury bezeichnete "Das Ungeheuer" als "tief bewegenden und zeitdiagnostischen Roman". Mora erhält als Preisträgerin 25.000 Euro. (dpa)

 
 

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