Bottrop holt „Aida“ auf die Bergehalde

Aida Premiere auf der Halde Haniel in Bottrop. Foto: Heinrich Jung
Aida Premiere auf der Halde Haniel in Bottrop. Foto: Heinrich Jung
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Bottrop.. Fulminanter Auftakt für die Local Hero-Woche in Bottrop: Auf der Halde Haniel wird Verdi gespielt. Mit vielen hochmotivierten Statisten und einem Radames, der auf einem mächtigen Kipplaster zu den Klängen des Triumphmarsches anrollt.

Verdi mitten im Revier: Seine „Aida“ hat sich in ihrer Bottroper Open-Air-Inszenierung sehr verändert. Die Wüstenoper geht auf einer kahlen Bergehalde aus Abraumgestein über die Bühne, die Kostüme scheinen vom Gothic-Look inspiriert, und zu den Klängen des Triumphmarsches rollt Radames mit einem mächtigen Kipplaster an. Das Premierenpublikum feierte das Ensemble mit stehendem Beifall.

Das ehrgeizige Opern-Projekt einer Stadt, die dem Bergbau mehr verpflichtet ist als der Hochkultur, überzeugt nicht nur mit starken Stimmen. Die moderne Inszenierung des jungen Regisseurs Thomas Grandoch weist dem ungewöhnlichen Spielort eine Hauptrolle zu und bietet viel fürs Auge: Das Bühnenbild wirkt, als habe ein Altmetall-Transporter seine Ladung verloren. „Schrottreif“ sind auch die Strukturen der Gesellschaft, in der Aida liebt und leidet. Die Inszenierung verzichtet auf historische Bezüge, ist in einem überzeitlichen Niemandsland angesiedelt.

Die Vorstellungen sind seit Monaten ausverkauft

Schauplatz des Geschehens ist ein Amphitheater mit 800 Plätzen auf einer Bergehalde, einst von der IBA gefördert und vom Bergbau angelegt. Inmitten einer Mondlandschaft wird dort seit 1999 Theater gespielt. Zutreffend nannte der beeindruckte Ruhr 2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen die Kulisse bei der Premiere „unbezahlbar“.

Die Bergarena erwacht jeweils für ein paar Tage im Sommer zum Leben, wenn dort vorzugsweise das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel (WLT) gastiert. Über diese kurzen Gastspiele kommt die Bühne allerdings nicht hinaus - für mehr fehlt das Geld. Der Aufwand ist enorm, da auf der Halde jede Infrastruktur fehlt. An Nachfrage mangelt es dagegen nicht: Die Karten der fünf Aida-Vorstellungen sind seit Monaten ausverkauft.

Engagiertes Gemeinschaftsprojekt mit rund 250 Beteiligten

Im Kulturhauptstadtjahr sollte es für das Bottroper Open-Air-Theater „etwas Eigenes“ sein. Dabei konnte die Stadt von ihrer reichen Chorlandschaft profitieren. Dort war die Resonanz positiv, als das Kulturamt vor gut zwei Jahren anregte, eine Oper auf der Halde zu inszenieren.

Der Plan fiel auf in Bottrop auf fruchtbaren Boden - die „Aida“ entwickelte sich zum engagierten Gemeinschaftsprojekt mit rund 250 Beteiligten, tatkräftig unterstützt vom Bergwerk Prosper-Haniel. Eine Gage erhielten nur die Berufssänger und -musiker.

Ob das Opern-Projekt eine Fortsetzung findet, weiß derzeit noch niemand. Für 2011 steht in der Bergarena aber schon jetzt das Musical „Blues Brothers“ auf dem Programm, inszeniert vom WLT aus Castrop-Rauxel.

 
 

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