Boh glaubse - Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Uwe Lyko!

Mütze, Kassengestell, Hosenträger: So kennt man Herbert Knebel auf der Bühne
Mütze, Kassengestell, Hosenträger: So kennt man Herbert Knebel auf der Bühne
Foto: Imago
Uwe Lyko wird 60, also so alt, wie seine Bühnenfigur Herbert Knebel schon immer war. Der Komiker sieht sich selbst aber noch weit von seiner Bühnenfigur entfernt. Ein Interview übers Alter, die Rente und das neue Affentheater-Programm "Männer ohne Nerven".

Essen.. Endlich ist es so weit: Uwe Lyko wird 60, also so alt, wie seine Bühnenfigur Herbert Knebel schon immer war. Von Verschleißerscheinungen ist bei ihm allerdings weder körperlich noch künstlerisch etwas zu spüren. Und Lyko selbst meint, dass er unter gewissen Umständen auch bis 90 so weitermachen könnte. Wir sprachen mit ihm über die Anfänge, über Krisen und warum er den besten Job der Welt hat.

Herr Lyko, fühlen Sie sich eigentlich jetzt so alt, wie Herbert Knebel schon immer gewesen ist?

Uwe Lyko: Nein, ich bin Gott sei Dank noch ganz weit vom Knebel entfernt. Ich habe mir lange keine Gedanken darüber gemacht, wie alt der Knebel sein könnte. Bis irgendwann jemand fragte. Da hab ich gesagt: So um die 60, 62… Als ich Anfang 30 war, als das angefangen hat mit dem Affentheater, da war die 60 natürlich unglaublich weit weg.

Ist es heute etwas anderes, 60 zu werden?

Lyko: Das ist immer eine Typfrage.

Also kein Anzeichen einer Krise?

Lyko: Die Krise habe ich schon gekriegt, als ich 50 geworden bin. Da hatte ich ein paar Wochen lang einen Durchhänger und dachte: Boh scheiße, jetzt bist du 50. Als Kind war das für mich so: alle, die unter 50 waren, das waren so Onkels; die über 50 waren, die waren Oppas; und die über 60 waren, das waren für mich Todgeweihte.

Aus welcher Stimmung heraus ist eigentlich damals Knebels Affentheater entstanden?

Lyko: Die Gruppe ist schon auf meine Initiative hin zusammengekommen. Anfang der 80er-Jahre habe ich das „Kamikaze-Orchester“ gesehen, mit Piet Klocke, Andreas Kunze und Heinrich Schafmeister. Das war für mich eine Art Initialzündung, da habe ich gesagt: So was will ich auch machen, eine völlig verrückte Mischung aus Musik, Klamauk, Theater und Kabarett. Später gab’s ein Radiofest in Essen, in der Zeche Carl, bei dem ich mit Sigi Domke aufgetreten bin. Wir beide hatten eine 20-Minuten-Show, die gut ankam. Und da wusste ich: In die Richtung könnte das gehen.

Hätten Sie einen Plan B gehabt, wenn es mit dem Affentheater nichts geworden wäre?

Lyko: Eigentlich habe ich ja Fernmeldetechniker gelernt, aber den Job hatte ich längst gekündigt, als wir angefangen haben. Ich hatte damals einen Halbtagsjob in einem alternativen Druckereibetrieb, wo ich als Fahrer gearbeitet hab’. Aber als unser drittes Programm kam, dachte ich: Jetzt kannst du so gut davon leben, dass du auch ein paar Mark auf die Seite schaffen kannst.

Nun kommt Ihr neues Programm „Männer ohne Nerven.“ Was erwartet uns da?

Lyko: Man kann natürlich das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Es wird ein typisches Affentheater-Programm sein. Dieses Mal ist vielleicht besonders, dass der Ozzy und der Trainer eine längere Duo-Nummer miteinander haben, die ich persönlich sehr, sehr witzig finde. Es sind auch ein paar Musik-Nummern drin, wir machen aus „San Francisco“ ein Altersheim, also „Sankt Franziskus“.

Letztes Jahr feierten Sie groß Ihr 25-Jähriges: Macht es noch Spaß, wenn Sie zu viert proben und später auf die Bühne gehen?

Lyko: Im Großen und Ganzen, also in 95 Prozent aller Fälle, haben wir richtig viel Spaß. Es ist manchmal sogar so, dass wir uns in der Garderobe schon auspowern und so viel Mist bauen, dass wir manchmal echt erschöpft auf die Bühne gehen. Und auf der Bühne? Es gibt so Momente, in denen ich nach links gucke, nach rechts gucke, ich guck’ mir die Typen an und denke: Was für ein Glück, dass du mit diesen schrägen Vögeln hier zusammen sein darfst. Ich muss mir nur den Ozzy Ostermann anschauen, dann denke ich oft: Mein Gott, wat sieht der scheiße aus! Dann lach ich mich manchmal schlapp.

Haben Sie mal an die Rente gedacht?

Lyko: Ich glaube, dass die Leute mitkriegen, dass wir noch eine richtig große Spielfreude haben. Und dass wir das selber klasse finden, was wir da machen. Solange sich das transportiert, kann ich auch noch spielen, bis ich 90 bin. Wenn ich aber irgendwann das Gefühl habe, das transportiert sich nicht mehr, dann werde ich lieber aufhören.

  • Herbert Knebels Affentheater live: 23. & 24.9. Unna, Stadthalle, 29. & 30.10 Dortmund, Keuning Haus, 15.11. Bestwig, Schützenhalle. www.herbertknebelsaffentheater.de
 
 

EURE FAVORITEN