Bochum, ich komm’ aus Dir!

Bochum Ein Singspiel von Lutz Hübner mit Liedern von Herbert Grönemeyer: Günter Alt (Roger), Joachim G. Maaß (Peter), Anke Zillich (Lotte), Sarah Sophia Meyer (Suri), Michael Schütz (Ralf), Veronika Nickl (Sandra).
Bochum Ein Singspiel von Lutz Hübner mit Liedern von Herbert Grönemeyer: Günter Alt (Roger), Joachim G. Maaß (Peter), Anke Zillich (Lotte), Sarah Sophia Meyer (Suri), Michael Schütz (Ralf), Veronika Nickl (Sandra).
Foto: Diana Küster Diana Küster
Hits am laufenden Meter von „Mambo“ bis „Alkohol“ machen aus dem Holzschnitt-Stück ein mitreißendes Musical: Mit frenetischem Applaus feiert das Publikum die Uraufführung des Grönemeyer-Singspiels im Bochumer Schauspielhaus.

Bochum..  „Tief im Westen“, so scheint es, ist immer noch allerhand möglich, das man sich woanders nicht vorstellen kann. Sogar ein Bühnenstück über den berühmtesten Sohn der Stadt, der in persona darin gar nicht vorkommt. Vielmehr rückt das von Lutz Hübner für das Schauspielhaus verfasste „Bochum“-Singspiel die Musik Grönemeyers ins Zentrum. Von „Mambo“ über „Was soll das?“ bis zur unvermeidlichen „Currywurst“ rollen die Hits im Minutentakt. Sie sind das Gerüst für alles andere.

Nach 30 Jahren schließt die Kneipe von Wirtin Lotte (Anke Zillich). Die Band baut ab, die letzten Gäste gehen, nur Sandra (Veronika Nickl), Ralf (Michael Schütz), Peter (Joachim G. Maaß) und Roger (Günter Alt), die hier schon 1983 ihr Abi begossen haben, wollen noch nicht heim. Der gute Kneipen-Geist „Suri“ (Sarah Sophia Meyer) nimmt verständnisvoll Anteil am nun folgenden Geschehen: Lotte spendiert eine letzte Runde und stellt 30 Schnäpse auf die Theke. Für jedes Jahr einen. Der Alkohol beschwört Träume und Gespenster herauf – früher war durchaus nicht alles besser, aber man war

jung, und eine Zeitlang sah es so aus, als ob die Welt nur auf jeden einzelnen von diesen sympathischen Thekenturnern gewartet hätte. 30 Jahre später sind die Erinnerungen angerostet. Aber das Leben geht weiter, auch wenn die Jukebox aus ist und die Ehe von Sandra und Ralf dringend der Auffrischung bedarf.

Aufgefächert wird die Story im stimmigen Ambiente einer Bochumer Eck-Kneipe samt VfL-Fan-Schal und Spielmannszug-Schellenbaum an der Wand. Das Ganze ist so simpel gestrickt, die Personenzeichnung so holzschnittartig wie beim Tegernseer Volkstheater, aber im Ernst hat wohl niemand an einem so süffigen Unterhaltungsabend psychologische Feinzeichnung erwartet. Was der Aufführung an dramatischem Druck und an Figurenformung abgeht, macht die Musik mehr als wett – sie bringt „Bochum“ voran, denn wenn Worte nicht mehr reichen, wird gern und viel gesungen: Mut machende Hymnen („Zeit, dass sich was dreht“) oder Songs der Enttäuschung („Gib mir mein Herz zurück/Du brauchst meine Liebe nicht…“). Der geniale Theatermusiker Torsten Kindermann hat die Grönemeyer-Hits in frische, überraschende Arrangements umgegossen und erfindet so die Songs des Meisters quasi neu – man denke an die Wahnsinns-Version von „Alkohol“, die als getragene Kantate angestimmt wird! Der Sound des Singspiels ist der Schlüssel zum Erfolg des Abends.

Als dritte Zugabe kommt schließlich „Bochum“, und 800 Menschen singen lauthals mit: „Bochum, ich komm’ aus Dir, Bochum, ich häng’ an Dir…!“ – Alles in der selbstbewussten Gewissheit, dass „tief im Westen“ nach wie alles möglich bleibt. Auch wenn Opel schließt. Oder die Stammkneipe zumacht.

Termine 11., 17., 23. und 31. Oktober, Karten: 0234 / 3333-5555

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