Billy Idol stellt sich in den Memoiren seinen Dämonen

Idols Markenzeichen sind immer noch dieselben: Platinblonder Schopf und lasziv verzerrte Oberlippe. Die Drogen lässt er inzwischen aber weg.
Idols Markenzeichen sind immer noch dieselben: Platinblonder Schopf und lasziv verzerrte Oberlippe. Die Drogen lässt er inzwischen aber weg.
Foto: imago
Jahrelang hat der Pop-Star Drogen eingeworfen. Das ist jetzt vorbei: Der Punk-Rebell Billy Idol trinkt höchstens mal ein Glas Wein zum Abendessen. In seinen Memoiren erzählt er davon, wie er sein Leben neu ausrichtet. Doch eins ist klar: Er sieht noch genauso punkig aus wie einst.

Essen.. Er ist wieder da. Schon das allein ist eigentlich ein Wunder. Schließlich hat Billy Idol jahrelang alle illegalen Substanzen eingeworfen, die er in die Finger bekam. Und hat dann das Ganze mit einem ordentlichen Schluck Alkohol heruntergespült, bevor er von einer „White Wedding“ oder „Eyes Without A Face“ gesungen hat.

Aber es kommt noch besser. Der 59-jährige hat sich kaum verändert. Platinblond und zu Stacheln aufgestellt ist noch immer das Haar, durchtrainiert wirkt der Körper, in den Ohrläppchen hängen mehrere Ringe und am Hals baumelt nicht selten eine Kette mit einem silbernen Totenschädel.

Ein paar Falten mehr im Gesicht

Nur ein paar Falten mehr im Gesicht zeigen, dass die Zeit auch an Billy Idol nicht spurlos vorbeigegangen ist. Nach zehn Jahren Pause hat er jetzt nicht nur eine neue CD herausgebracht, sondern auch seine Memoiren veröffentlicht: „Dancing With Myself“ (Heyne, 19,99 Euro)

500 Seiten, und alle hat er nach eigener Aussage selber geschrieben. Ohne Ghostwriter. Eine zwiespältige Erfahrung, wie er einräumt. Einerseits „berauschend“, auf der anderen Seite „kann es dich krank machen“. Weil es nicht ganz einfach ist, „all die vergangenen Momente noch einmal zu durchleben“.

Idol hat es gemacht und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. „Ich wollte ganz offen sein, mich meinen Dämonen stellen, sie so vielleicht auch ein wenig austreiben.“

Rockmusiker - das ist Papas schlimmster Alptraum

Die Jugend, in der gehänselt wird, weil er klein und schmächtig ist und eine dicke Brille tragen muss, sie streift er nur kurz. Sie ist eine, wie es sie oft gibt im London jener Zeit, wo er als William Michael Albert Broad am 30. November 1955 zur Welt kommt. Und wo für seinen Vater der „schlimmste Alptraum“ wahr wird, als sein Sohn Rockmusiker wird – Sänger in einer Punk-Band, die sich „Generation X“ nennt. Billy Idol nennt er sich da, angeblich angelehnt an die Beurteilung eines Lehrers, der ihn für „idle“ hält – für faul

Anfang der 1980er steigt der junge Billy aus und geht in die USA. Dort verkauft Bill Aucoin, Manager der Band Kiss, ihn als „wasserstoffgebleichten Alptraum eines Rockers, der ständig die geballte Faust reckt und höhnisch die Lippen hochzieht“. Und sein Verkaufsraum ist der schnell aufstrebende Musiksender MTV, der Idol zu einem seiner ersten großen Stars macht. Für den Jungen aus London erfüllt sich ein Traum aber er ist nicht in der Lage, ihn zu leben.

Manches war einfachnur „selbstzerstörerisch“

„Musik, Sex, Drogen, Clubs besuchen, schlafen und alles wieder von vorn“ beschreibt er seine wilden Jahre in einem Satz. Das Geld rinnt ihm durch die Finger, der Alkohol durch seine Kehle. Vieles, was er damals getrieben hat, findet er heute noch „großartig“, manches aber, räumt er inzwischen ein, sei „selbstzerstörerisch“ gewesen.

Am Morgen des 6. Februar 1990 hängt sein Leben tatsächlich an einem seidenen Faden. Zugedröhnt bis unter die Haarspitzen verunglückt Idol damals mit seinem Motorrad in Los Angeles, wird sieben Stunden lang notoperiert, verbringt Monate in Krankenhäusern. „Es war“, hat er dem Spiegel neulich gesagt, „der Wendepunkt.“

Nur noch ab und an ein Joint

Er ändert sich. Nicht von einem Tag zum anderen, sondern nach und nach. „Ich liebe das Leben”, sagt er in Interviews. „Ich will nicht als Verrückter enden oder in irgendeinem Gefängnis.” Bisher hat das offenbar geklappt. Seit 2003 hat er nach eigener Aussage keine harten Drogen mehr genommen, genießt nur ab und an einen Joint. Und Alkohol gibt es angeblich auch kaum noch. Höchstens mal ein Glas Wein zum Abendessen.

Von Reue ist ansonsten nicht viel zu spüren. Klar, dass er damals einige Leute verletzt hat, tue ihm leid. Sonst nichts. „Ich habe mich köstlich amüsiert“, sagt er. „Denn ich konnte alles machen, was ich wollte. Das erleben viele Menschen nie in ihrem Leben.“

 

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