Beruf: Geschichtenschreiberin

Essen..  Dass Sarah Meyer-Dietrich eines Tages mal Bücher schreiben würde, war ihr schon in die Wiege gelegt – dieser Satz ist so wahr wie falsch. Selbstverständlich ist die Tochter der in Gelsenkirchen ansässigen, mehrfach preisgekrönten Kinderbuch-Autorin Inge Meyer-Dietrich mit Büchern, Geschichten, Texten in jeder Form aufgewachsen. „Aber Beruf: Autorin? – Von meiner Mutter weiß ich ja, wie schwierig das ist!“

Jetzt aber scheint doch alles auf Beruf: Autorin hinauszulaufen. Sarah Meyer-Dietrich hat in den letzten Jahren fast so viele Schreibwettbewerbe gewonnen wie sie Geschichten dazu eingereicht hat. Sie hat verschiedenste Jurys mit ihrem versierten, intelligenten, überaus lesbaren Schreibstil überzeugt – unter anderem bei dem Wettbewerb „Tatort Oberhausen“, den auch diese Zeitung ausgeschrieben hat. „Einen Krimi“, grinst die 35-Jährige aus Bochum in herrlicher Offenheit übers ganze Gesicht, „hatte ich noch nie geschrieben. Aber ich dachte: Probier’s mal.“

So etwas Ähnliches muss sie 2001 auch gedacht haben, als sie vor der Wahl stand, was sie studieren sollte. Literatur, klar; aber das allein würde ja für den Lebensunterhalt nicht reichen, also nahm sie Wirtschaftswissenschaften dazu. „Etwas, was mir eigentlich gar nicht lag.“ Aber sie hatte in einem Bochumer Online-Journalistenbüro gejobbt, das den Menschen die Einführung des Euros erklären sollte. Da merkte sie: „Wirtschaft kann ja doch spannend sein!“ Und vom Literaturwissenschafts-Studium hat sie dann doch die Finger gelassen, „ich hatte die Sorge, das verdirbt mir am Ende noch die Freude an der Literatur.“

Um ein Haar im Marketing gelandet

Bei den „Wiwis“ promoviert sie am Ende sogar, über „Die Auswirkung von sozialem Druck auf Kaufverhalten“. Was Menschen ticken lässt, wie Gefühle entstehen und wie tief sie gehen, Verletzungen, das ganze Pingpong des zwischenmenschlichen Verhaltens interessiert sie jetzt auch als Autorin. Und wenn der Eindruck nicht täuscht, lernt sie ihre Figuren beim Schreiben peu à peu kennen. Als sei sie ihren Lesern immer nur ein, zwei Schritte voraus. Vielleicht ist es diese allmähliche Entwicklung ihrer Charaktere, die sie so überzeugend, so authentisch wirken lässt.

Um ein Haar wäre sie im Marketing gelandet. Aber erste Praxiser­fahrungen bei einem Düsseldorfer Waschmittel- und Kosmetikkonzern ließen dann doch die Frage in ihr dämmern: „Willst du dir wirklich dein Leben lang den Kopf darüber zerbrechen, ob es nun besser ,Mega-Haarverdicker’ oder ,Maxi Haarverdicker’ heißen muss?“ Also wurde sie lieber Geschäftsführerin beim Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, der sich die Leseförderung auf die Fahnen geschrieben hat.

Viereinhalb Jahre lang. Doch dann merkte sie, dass sie mehr Freiheit, mehr Zeit zum Schreiben braucht. Und wagte den Schritt in die Freiheit. Unter anderem mit dem Stipendium „Carls Schreiberin“ – sie bloggt nicht nur für das soziokulturelle Zentrum im Essener Norden, sie gibt auch Schreibkurse, begleitet Schreibprojekte für Jugendliche und bietet, etwa zur „Extraschicht“, eine „Schreibambulanz“ für Formulierungs-Notfälle. Und nun erscheint im August ihr erster Roman.

Sarah Meyer-Dietrich ist im übrigen nicht durch Heirat zu ihrem Doppelnamen gekommen. „Aber seit sieben Jahren fest liiert“, lächelt sie. Als ihr Großvater Max Helmut Meyer nicht für die Nazi-Presse schreiben mochte, eröffnete er ein Werbebüro. Und änderte den Namen: „Den merkt man sich ja besser.“ Ja, die Marketingfachfrau Sarah Meyer-Dietrich hat sich durchaus mal überlegt, ob sie als Autorin bei dem Namen bleiben will: „Aber nur kurz. Er ist doch meine Identität!“

 
 

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