Berlinale-Preisträger Nazif Mujic muss Abschiebung fürchten

Als Eisensammler spielte er sich selbst, nun droht Nazif Mujic die Abschiebung nach Bosnien.
Als Eisensammler spielte er sich selbst, nun droht Nazif Mujic die Abschiebung nach Bosnien.
Foto: rtr
Mit dem Silbernen Bären im Flüchtlingsheim: Nazif Mujic lebt mit seiner Familie in einem Flüchtlingsheim am Rande Berlins. Der bosnische Darsteller gehört der Minderheit der Roma an - und sein Asylantrag wurde von den Behörden abgelehnt. Ab 25. Februar droht dem Schauspieler die Abschiebung.

Berlin. Vor einem Jahr ging er noch strahlend über den roten Teppich der Berliner Filmfestspiele - heute lebt Nazif Mujic mit seiner Familie in einem Flüchtlingsheim am Rand der Hauptstadt. Der bosnische Darsteller, der der Minderheit der Roma angehört, hat in Berlin um Asyl gebeten. Doch sein Antrag wurde abgelehnt, der 43-Jährige darf noch bis zum 25. Februar in Deutschland bleiben. Danach droht die Abschiebung.

In dem tristen Zimmer, das die Familie in dem Flüchtlingsheim bewohnt, hält Mujic stolz den Silbernen Bären in der Hand. Mit dem Finger streichelt er über seinen Namenszug auf dem Fuß der Figur und lächelt. Seine 33-jährige Frau Senada Alimanovic strahlt ebenfalls, als sie die Auszeichnung sieht.

Familienleben auf 30 Quadratmetern

Neben ihr beschäftigen sich die beiden Kinder des Paares auf dem Fußboden mit einem Plastiklaster. Viel Platz zum Spielen gibt es nicht. Ein großes Bett zwei Sofas, ein Fernseher, ein Waschbecken und zwei Kochplatten, mehr geht nicht hinein in den 30 Quadratmeter großen Raum.

Der kleinen Bären-Figur mit dem Silberüberzug hat Mujic es zu verdanken, dass er im vergangenen Jahr neben Hollywood-Stars stehen durfte und von Kameras aus der ganzen Welt abgelichtet wurde. Mujic wurde für seine Rolle in dem Film "Epizoda u zivotu beraca zeljeza" ("Eine Episode im Leben eines Eisensammlers") als bester männlicher Darsteller geehrt.

Mujic spielte sich selbst - als verzweifelten Eisensammler

In dem Werk von Danis Tanovic, in dem es um die Benachteiligung der Roma in Bosnien-Herzegowina geht, spielte Mujic sich selbst - einen Eisensammler, der sich vergeblich um medizinische Hilfe bemüht, nachdem seine Frau eine Fehlgeburt erlitten hat.

Als Mujic im vergangenen Jahr nach der Berlinale in seine Heimat zurückkehrte, wurde er in seinem Dorf wie ein Held empfangen, erinnert er sich. Doch der Ruhm währte nur kurz, denn der Laiendarsteller und seine Frau mussten weiter in einem verfallenen Haus leben und mit der Armut kämpfen.

Rund 22.000 bosnische Roma leben in Elendsvierteln

Besonders die Angehörigen der Roma-Minderheit sind in Bosnien-Herzegowina von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not betroffen. Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) leben rund 22.000 Roma in Bosnien in Elendsvierteln.

Mujic hoffte bei seiner Rückkehr, dass sein Erfolg als Schauspieler ihm neue Perspektiven eröffnen würde, doch dieser Wunsch zerschlug sich. Er erhielt kaum Jobangebote, sagt er. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme mit dem Rücken und eine Diabetes.

Rechtsanwältin prüft den Fall

Also beschloss Mujic im November vergangenen Jahres, wieder in die Stadt zu reisen, in der er zu Ruhm gelangt war. Für 250 Euro kaufte er Bustickets, die Reise von Tuzla nach Berlin dauerte 24 Stunden. In Berlin wurde er von seinem Bruder und seinem 19-jährigen Sohn aus erster Ehe aufgenommen. Doch die Enttäuschung folgte bald: Sein Antrag auf Asyl wurde abgelehnt.

Der Preisträger möchte aber auf keinen Fall zurück nach Bosnien-Herzegowina. "Dort haben wir kaum genug zu essen und nichts, um unsere Kinder großzuziehen", sagt Mujic. Die Berlinale-Organisatoren wollen ihm und seiner Familie nun helfen. Eine Rechtsanwältin solle seinen Fall prüfen, sagte eine Sprecherin des Filmfestivals.

In jedem Fall möchte Mujic aber noch einmal über den roten Teppich laufen. "Ich werde dieses Jahr wieder zur Berlinale gehen - mit meiner ganzen Familie", sagt er stolz. "Wir sind eingeladen!" (afp)

 
 

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