Ben Redelings schreibt über den Kick im Kopf

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Essen. Ben Redelings ist im Schatten des Ruhrstadions aufgewachsen und hat irgendwann entdeckt, dass er mit Geschichten rund um den Ball Geld verdienen kann. Jetzt gibt es sein neues Buch „Dem Fußball sein Zuhause”.

Der Kerl ist bekloppt. Balla-balla, nix als Fußball im Kopf. Typisch Mann eben, denken jetzt die Frauen. Doch Ben Redelings beweist Köpfchen, er packt die Geschichten rund ums Leder so gelungen in Worte, dass sie Spaß machen. Auf der Bühne und im Buch – nachzulesen in seinem neuen Werk „Dem Fußball sein Zuhause”, das auch die Grundlage für sein erstes Stand-Up-Programm liefert.

Der kleine Ben wird im Schatten des Ruhrstadions groß. Als Vierjähriger ist er beeindruckt von den strahlenden Flutlichtmasten an der Castroper Straße, Freitagabende haben so ihre ganz eigene Faszination. Ganz klar, sein (Fußball-)Herz gehört dem VfL Bochum.

Und so erzählt er aus diesen Tagen, Anfang der 1980er-Jahre. Zum Beispiel, weshalb ihm der Herner Meisterspieler Horst Wandolek den siebten Geburtstag versaute. Doch das ist im Gegensatz zum Vorgänger schon eine Ausnahme: Denn nach den Ich-Geschichten in „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige” gibt es diesmal Storys aus dem Kosmos des Ruhrgebiets-Fußballs.

Der junge Ben kickt auf der Lessingstraße; später bei der DJK Arminia auf dem Feld. Er lernt das Stadion von innen kennen, die Osttribüne, die Spieler: Ata Lameck, Hans Walitza oder Hermann Gerland, alles VfL-Legenden.

Tief einatmen. Nicht mehr atmen

Kennen Sie auch Sirenen-Willi? Sympathisanten von Rot-Weiß Essen sollten jetzt Ja sagen. Nun gut, Willi Schick, der in den 60er- und 70er-Jahren stets mit Zylinder und ganz in Rot und Weiß seinen Verein begleitete, stand eines Tages am Hamburger Hauptbahnhof. Also entschied Watschelkönig Willi Lippens ihn in seinem Abteil mitzunehmen: „Auf einmal hat der seine Schuhe ausgezogen. Leute, Leute, Leute. Sofort waren die Scheiben beschlagen. Unvorstellbar. Das ging nur noch wie beim Röntgenarzt: Tief einatmen. Nicht mehr atmen.”

Der jugendliche Ben ist ein „Fußballer mit Riesen-Auge, die klassische 10”, wie er selbst sagt – „bis die Augenprobleme angefangen haben”. Mit 14 gibt es eine Brille, „danach kamen die Frauen, da war es abseits des Platzes attraktiver”.

„Lauf du doch, du Sack”, „Ja wat denn, ja wat denn. Ja wat denn wat denn wat denn”, „Soll ich die Scheiße etwa noch umbiegen?” – schon die Kapiteltitel geben einen Einblick in die Befindlichkeiten rechts und links der B1, oh, A40 heißt sie ja längst. Egal, ob auf dem ungeliebten Ascheplatz, dem verehrten Rasen oder dem modernen Kunstrasen, offen und ehrlich brüllen die Fußballer ihre Gefühle in die Welt. Und der Autor hat sie aufgeschrieben.

Der junge Mann Ben Redelings studiert Deutsch und Sozialwissenschaften, macht auch sein erstes Staatsexamen. Er schreibt, leidenschaftlich, und er macht seinen ersten „fußballkulturellen Abstecher” – Lesungen unter dem Motto „Tore, Punkte, Meisterschaften”. Das funktioniert, von Monat zu Monat besser.

Klassiker hat der Bochumer vereint. Etwa Max Merkel, Udo Lattek und ihre ganz eigenen Erfahrungen als Schalker Trainer. Oder das DFB-Pokal-Finale zwischen dem VfL und Eintracht Frankfurt, bei dem Kurt Felix gemeinsam mit Kommentatoren-Legende Rudi Michel fünf Bochumer Fans in den Wahnsinn treibt. Oder dieser ewige scheiß (Pardon!) Bauern – äh – Bayern-Dusel.

Der Familienvater Ben Redelings ist heute 34. Er kultiviert den Fußball in seiner ehrlichen Art und Weise. Er schreibt über, erzählt von und gibt sich selbst den Kick. Und das hoffentlich auch in den kommenden Jahren noch.

Ben Redelings: Dem Fußball sein Zuhause, Verlag Die Werkstatt, 194 S., 9,90 Euro

 
 

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