Ausverkauf von Rembrandt und Dürer während der NS-Zeit

Während der NS-Zeit hat sich das Stadtmuseum Simeonstift in Trier im großen Stil von Werken bedeutender Künstler getrennt. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie der Trierer Kunsthistorikerin Bettina Leuchtenberg.

Trier (dapd-rps). Während der NS-Zeit hat sich das Stadtmuseum Simeonstift in Trier im großen Stil von Werken bedeutender Künstler getrennt. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie der Trierer Kunsthistorikerin Bettina Leuchtenberg. "Die Stadt Trier hat unter anderem Gemälde holländischer und italienischer Meister verloren, außerdem zahlreiche grafische Arbeiten von Künstlern wie Dürer, Holbein und Rembrandt", sagte Leuchtenberg im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd.

Maßgeblich verantwortlich für den Ausverkauf der Trierer Sammlungen sei der damalige Museumsdirektor Walter Dieck gewesen. Der Kunsthistoriker gehörte der NSDAP an und leitete das Haus von 1935 bis 1945. Laut Leuchtenberg folgte Dieck mit dem Verkauf allerdings auch einer Vorgabe des gleichgeschalteten Trierer Stadtrats. Dieser habe verlangt, sich von "nichtdeutscher Kunst" zu trennen. Mit dem Erlös wurden auch Werke angekauft, die der nationalsozialistischen Propaganda genehm waren.

Verkauf wirkt bis heute nach

Leuchtenberg nennt beispielhaft Skulpturen von Kurt Zimmermann und Annie Höfken-Hempel. Allerdings habe Dieck auch Wert daraufgelegt, die Sammlung mit Werken zu vervollständigen, welche die regionale und lokale Geschichte Triers und der Umgebung gespiegelt hätten. Bei diesen Werken handele es sich nicht um NS-Kunst, weshalb auch zahlreiche der Exponate bis heute Teil der Dauerstellung seien. Leuchtenberg verweist auf Zeichnungen von Ramboux, aber auch Gemälde von Januarius Zick oder Simon Meister. "Das ändert allerdings nichts daran, dass der Verlust für die Sammlung durch den Ausverkauf bis heute nachwirkt und beträchtlich ist", sagte Leuchtenberg.

"Trier als grenznahe Stadt sollte nach dem Willen der Nationalsozialisten zu einem kulturellen Bollwerk gegenüber Frankreich ausgebaut werden", erläuterte Leuchtenberg weiter. Dieses Ziel habe auch den Planungen für ein "Großmuseum der deutschen Westmark" zugrunde gelegen, das aber nie verwirklicht wurde. "Das Stadtmuseum ist die erste städtische Institution in Trier, die ihre nationalsozialistische Vergangenheit nun systematisch untersucht hat", sagte die Kunsthistorikerin.

Dieck leitete das Museum von 1951 an für weitere zehn Jahre, im Rahmen des Entnazifizierungsverfahrens sei er von den Franzosen als Mitläufer eingestuft worden. Über den Verbleib der verkauften Werke von Rembrandt und Dürer habe man keinerlei Anhaltspunkte, räumt Leuchtenberg ein, diese seien wohl für alle Zeit für Trier verloren.

dapd

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