Ausgezeichnete Jugendbücher des Jahres im Überblick

Das beste Bilderbuch: „Der Hund, den Nino nicht hatte“ – über einen Jungen zwischen Traum und Wirklichkeit.
Das beste Bilderbuch: „Der Hund, den Nino nicht hatte“ – über einen Jungen zwischen Traum und Wirklichkeit.
Foto: Anton van Hertbruggen
Die Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises erzählen von fremden Ländern und Kulturen. Welche Bücher sind aber wirklich empfehlenswert?

Essen. Seit 60 Jahren wird der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Dies sind die Preisträger 2016. Taugen sie als Geschenk zum Weihnachtsfest?

Preis der Jugendjury

Dieses Buch haben Jugendliche selbst ausgesucht: „Sommer unter schwarzen Flügeln“. Man schlägt es auf und legt es nicht mehr aus der Hand, so sehr fesselt dieser Roman über einen Nazi-Jungen und ein Flüchtlings-Mädchen, die sich kennen und lieben lernen. Die Geschichte klingt kitschig und unrealistisch. Aber Peer Martin zeichnet seine Figuren so vielschichtig, dass sie echt wirken. Der Autor selbst hat zuvor als Sozialpädagoge mit jungen Menschen zusammengearbeitet. Er zeigt nicht nur, wieso Jugendliche in die rechte Szene abrutschen und da nur schwer wieder rauskommen. Er vermittelt auch, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Selten hat jemand so eindringlich erklärt, warum in Syrien Krieg herrscht. (Oetinger, 528 S., 19,99 €, ab 14)

Jugendbuch

Vergleichsweise blass wirkt dagegen das prämierte Jugendbuch „Mädchenmeute“. Kirsten Fuchs erzählt von einem Feriencamp, das sich in ein größeres Abenteuer verwandelt als erwartet: Eine Gruppe Mädchen lebt auf sich gestellt und ohne Smartphone im Wald. Die Ich-Erzählerin Charlotte lernt, was es wirklich heißt, ohne Eltern und Lehrer zu sein und dass sie alles andere als unsichtbar ist. Ein Roman für schüchterne Mädchen. Die Geschichte macht Mut, beginnt spannend, franst aber am Ende aus. (Rowohlt Rotfuchs, 463 S., 9,99 €, ab 14)

Sachbuch

Auch so kann man Historisches vermitteln: „Im Eisland“ ist eine spannende Graphic Novel mit eindrücklichen Bildern im Manga-Stil. Sie erinnert an die Mannschaft unter dem Kommando von Sir John Franklin, die 1845 aufgebrochen war, um als Erste die Nordwestpassage zu durchsegeln. Die Illustratorin Kristina Gehrmann erzählt – in etwas schlichter Sprache – vom Leben an Bord und vermittelt anschaulich die Werte der damaligen Zeit. Das bittere Ende der Franklin-Expedition im ewigen Eis erfährt der Leser jedoch nicht. Denn das prämierte Buch ist lediglich der erste von drei Bänden. Möchte man die ganze Geschichte erfahren, muss man insgesamt 52,97 Euro berappen! Ein unverschämter Preis für ein Jugendsachbuch. (Hinstorff, 220 S., 16,99 €, ab 12)

Kinderbuch

Dieser Roman ist schon längst verfilmt worden: „Das Mädchen Wadjda“. Nun hat die Regisseurin Hayfa Al Mansour aus dem Dreh- ein ebenso gutes Kinderbuch gemacht, wunderbar übersetzt von Catrin Frischer. Die Geschichte spielt in ihrer Heimat Saudi-Arabien, in dem die verschleierten Frauen zwar unterrichten, aber nicht Auto fahren dürfen. Mädchen haben ein traditionelles Leben in Demut und Stille zu führen, auch Fahrrad fahren nur Jungs. Aber genau das möchte Wadjda: ein Fahrrad, um sich frei zu fühlen. Al Mansour kritisiert nicht einfach die von Männern bestimmte saudische Welt. Sie zeigt auch mit Humor, wie die Frauen das System mittragen. Und dass es mutige, unangepasste Mädchen wie Wadjda braucht, um eine Gesellschaft zu ändern. (cbt, 302 S., 12,99 €, ab 11)

Bilderbuch

Der Hund, den Nino nicht hatte“ erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der einen imaginären vierbeinigen Freund hat. Als er dann wirklich einen Hund bekommt, erfährt Nino, dass die Realität nicht immer so ist, wie wir sie uns erträumen. Deswegen muss sie aber nicht unbedingt schlechter seins. Anton van Hertbruggen aus den Niederlanden hat das Buch illustriert. Seine Bilder kann man sich immer wieder anschauen und Neues darauf entdecken. Zusammen mit dem kurzen Text von Edward van de Vendel (übersetzt von Rolf Erdorf) bringen sie Nino nicht nur auf den Boden der Tatsachen zurück, sie zeigen auch, dass sich die Welt der Träume immer lohnt. Selbst wenn man endlich einen kleinen Hund hat, den alle sehen können. (Bohem Press, 40 S., 14,95 €, ab 5)

 
 

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