Aus dem Krömertopf

Kurt lässt's wieder krömern: Mit seinem neuen Programm (vielversprechender Titel: „Kröm de la Kröm”) macht der 33-jährige Humor-Anarchist aus Berlin demnächst eine große Runde durchs Krömische Reich deutscher Nation – und versetzt dabei auch fünfmal das NRW-Publikum in Panik.

Vorab bat freizeit-Mitarbeiter Carsten Dilly den sonst so ruppigen Kleinkunst-Rebellen („Na, du alte Kackbratze!”) zum gemütlichen Plausch.

Herr Krömer, lassen Sie uns zu Anfang über Äußerlichkeiten sprechen: Was hat Ihren Kleidungsstil – irgendwo zwischen Kid Creole und Kreissparkasse – beeinflusst? Ist das die Rache an dem Herrenausstatter, bei dem Sie als Teenager in die Lehre gingen?

Krömer: Ja, schon. Die Lehre habe ich dann ja auch erfolgreich abgebrochen. Weil die Modeszene völlig oberflächlich ist. Deshalb ziehe ich nur Sachen an, in denen ich mich wohlfühle – daraus hat sich so etwas wie ein eigener Stil entwickelt. Ich muss in der Szene natürlich auch ein wenig gegen den Strom schwimmen.

Also, ich find's schick!

Krömer: Find' ich ja auch. Das wird von mir auch alles mit Liebe zusammengestellt. Ich bin da wie ein ganz normaler Mann, nee, eher eine ganz normale Frau, die vorm Spiegel steht und sich fragt: Kann ick det so anziehen? Und dann wird mehrmals das Hemd gewechselt, bis ich denke: So, jetzt passt et! Manchmal läuft es aber auch nach dem Motto: Einfach mal in den Schrank gegriffen – Hauptsache sauber.

Nicht ganz sauber ist hingegen manche Verbalattacke, die Sie aufs Publikum loslassen. Wie muss man sich ausrüsten, um bei Ihnen nicht unter die Räder zu kommen?

Krömer: So schlimm ist das gar nicht. Die Leute müssen mir immer erst einen Grund geben – wenn zum Beispiel mal einer was reinruft oder zu spät zur Vorstellung kommt. Es ist ja nicht so, dass ich mit dem Kantholz durch die Halle laufe und wahllos aufs Publikum einschlage. Aber wenn einer was sagt, dann gibt's eben 'ne Diskussion. Spätestens da merken die Leute, dass ich nicht einfach etwas abspule.

Wie hart darf man Sie selber denn angehen?

Krömer: Naja, durch meine Erziehung habe ich gelernt: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Ich bin schließlich aus Neukölln, einem Arbeiterviertel. Da ist man nicht so zart besaitet und hat ein dickes Fell. Mich regen viele Dinge nicht so auf wie andere Menschen.

Als Arbeiterkind müssten Sie sich doch auch im Ruhrgebiet heimisch fühlen, oder?

Krömer: Klar. Den Ruhrpott fand ich schon immer klasse. Ich bin Proletarier und stolz darauf, dass mein Vater mit seiner Hände Arbeit eine vielköpfige Familie über Wasser gehalten hat. Von daher ist mir das Revier sehr nah.

Wann haben Sie gemerkt, dass Ihr Humor nicht nur in Berlin Anklang findet?

Krömer: So vor fünf Jahren, auf einer Tour durch Süddeutschland. Ich bin eingeschlagen wie eine Bombe – obwohl Bayern angeblich nicht gut auf Berliner zu sprechen sind.

In Ihrem neuen Programm werden Sie auch singen …

Krömer: Ja, obwohl ich ein Trauma erlitten habe: In der Schule hatte ich einen schlimmen Musiklehrer. Der hat uns fast geschlagen, wenn wir mal den Ton nicht getroffen haben. Deshalb dachte ich immer: Musik ist scheiße. Stimmt aber nicht. Musik ist schön, wenn man mit Liebe singt.

Was singen Sie denn?

Krömer: „Sand” von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra. Dann noch „Something Stupid” – und das war's eigentlich schon. Die Leute müssen keinen Liederabend erwarten.

Sie waren auch mal Tellerwäscher. Haben Sie die erste Million schon zusammen?

Krömer: (lacht) Das dauert noch. Mit meiner Sendung „Krömer – Die internationale Show” bin ich ja bei der ARD gelandet und werde vom RBB produziert – da hat man eher das Gefühl, man müsste noch Geld mitbringen. Aber ich möchte mich nicht beklagen. Dass ick mir aber bald ein Haus koofe oder 'ne Yacht – davon bin ich noch weit entfernt.

In Ihrer TV-Show sind Sie gefürchtet für Ihre oftmals sinnentleerte Interviewtechnik. Was würde Kurt Krömer denn wohl Kurt Krömer fragen?

Krömer: Meine Frage an mich würde lauten: „Sagen Sie mal, wie kommt det?”

Und? Wie kommt det?

Krömer: Als Krömer würde ich antworten: „Nee, det wird mir getz zu ville hier” – und mich verabschieden.

„Kröm de la Kröm” live: 2.10. Bochum (RuhrCongress), 3.10. Münster (Halle Münsterland), 6.10. Essen (Lichtburg), 8. & 9.10. Köln (E-Werk). Tickets: www.kartenhaus.de, 01805 / 969 00 06 76.

 
 

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