Arbeiten gegen die „Unterhaltungsidiotie“

..  Claus Leggewie, seit 2007 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts, wird neues Mitglied im ebenfalls in Essen beheimateten Rat für kulturelle Bildung. Der von sieben verschiedenen Stiftungen finanzierte Rat hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lage und die Qualität der kulturellen Bildung in Deutschland regelmäßig und mit verschiedenen Brennpunkten unter die Lupe zu nehmen. Vorsitzender unter den 13 angehörigen Mitgliedern des Bildungs-Rats ist der Inhaber des Unesco-Lehrstuhls für kulturelle Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg Professor Eckart Liebau.

Leggewie (66), der auch Co-Direktor des Käte Hamburger Kollegs „Zentrum für die Erforschung globaler Zusammenarbeit“ in Duisburg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen ist, nannte es unserer Zeitung gegenüber eine „Illusion“, dass es um die kulturelle Bildung in Deutschland gut bestellt sei: „Die Zahl der funktionellen Analphabeten nimmt ständig zu, ebenso die Zahl der Menschen, die keinerlei Kulturangebot mehr wahrnehmen, egal ob Musik, Kunst, Literatur, Theater oder Kino. Umberto Eco hat einmal mit Blick auf das Fernsehen und die sozialen Medien von der ,Unterhaltungsidiotie’. Junge Menschen leiden darunter, wenn ein Bildungssystem immer mehr auf den internationalen Wettbewerb ausgerichtet ist und dafür die künstlerische und musikalische Bildung vernachlässigt. Da muss man dagegenhalten!“ Die Schwellen zu bestehenden Kulturangeboten sollten abgesenkt werden, ohne dass deren Qualität darunter leide.

Ihm, so Leggewie, gehe es mit seiner ehrenamtlichen Arbeit („ein typischer Job für einen elder statesman“) auch darum, die Qualität der kulturellen Bildung zu sichern, um das Nachdenken über Zukunftsfähigkeit, Generationengerechtigkeit und ein anderes Verhältnis zur Natur zu verbessern.

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