Arbeit war gestern

Erinnerung an Arbeit: Ein Ausschnitt aus dem Programmheft.
Erinnerung an Arbeit: Ein Ausschnitt aus dem Programmheft.
Foto: Thomas Voßbeck, Anke Illing
Ruß und Kohle, Schweiß und Ausbeutung: Eine großangelegte Kunst-Installation mit Werken von fast zwei Dutzend - vorwiegend polnischen - Künstlern begibt sich auf die Spur der Maloche von früher.

Essen.. Wie das Ruhrgebiet ist auch Oberschlesien eine Region, die ein zwiespältiges Verhältnis zum Gestern pflegt: Kohle und Stahl, das war die Zeit von Dreck und Quälerei, aber auch von Kraft und Wohlstand. Eine große Kunstinstallation auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein begibt sich nun auf die Spuren von Mythos und Wirklichkeit und erforscht, was übrigblieb: „Erinnerung an Arbeit“.

Es beginnt im Fördermaschinenhaus der Halle 44, die von einer gigantischen Seilscheibe dominiert wird, mit einer simulierten Fahrt im Förderkorb per Video-Animation – fehlt nur noch die Hitze und Tropenfeuchtigkeit von unter Tage. Doch die beschwört der Kurzfilm „Im Bergwerk“ von Wilhelm Sasnal herauf, wo die Bergleute in Badezeug vor Ort malochen und bis hinauf in die Waschkaue verfolgt werden. Fotos dokumentieren, wie gemütlich sie es sich auf der Zeche gemacht haben – und wie die aufgelassenen Gelände mit ihren seenartigen Wasserlachen dazwischen zum Naherholungsgebiet werden: „Riviera auf der Kohlenhalde“ nennt Arkadiusz Gola seine illusionslos zärtliche Fotoserie.

Der Regisseur und Übersetzer Stephan Stroux, Sohn des langjährigen Düsseldorfer Generalintendanten Karl-Heinz Stroux, hat die Werke von rund zwei Dutzend Künstlern zusammengestellt und in die schwierigen Ausstellungsbedingungen der denkmalgeschützten Hallen eingepasst, die naive Malerei von Bergleuten, die vielen Filme, die mal über Monitore laufen, mal auf die kathedralenartigen Fenster der Zechenhalle projiziert werden. Dabei ist auch eine 56-minütige Dokumentation von Stroux’ Zollverein-Projekt „Union der festen Hand“ nach dem gleichnamigen Roman von Erik Reger (2003).

Hirschgeweihe aus Einkaufswagen

Man sieht, wie sich die Natur die Industrielandschaft zurücker­obert. Und wie seltsam die einstigen Orte der Arbeit, die ja oft vergöttert und idealisiert wurde, zu Konsumtempeln mutieren, wo so gänzlich anderen Idolen gehuldigt wird. Wie ein ironischer Kommentar hängen Marek Schováneks Einkaufswagen und -körbe, verarbeitet zu Hirschgeweih-Trophäen aus Stahl, reihenweise an einer Wand. Gerade hier ergibt das ein beeindruckendes Bild dafür, dass niemand seinem Schicksal ausgeliefert ist. Nicht einmal im real existierenden Konsumismus. Zollverein, Essen-Katernberg, Halle B 44 (neben dem Tanzzentrum pact). Bis 30. Juni, tgl. außer montags 12-19 Uhr. Eröffnung heute Abend um 18.30 Uhr. Die Ausstellung gehört zum „Klopsztanga“-Programm, mit dem sich das „grenzenlose“ Polen in 20 Städten in NRW vorstellt.)

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen