Applaus für Wolfram Koch bei „Offenbarung des Johannes“

Die Leistung von Schauspieler Wolfram Koch belohnte das Publikum mit lautem Applaus.
Die Leistung von Schauspieler Wolfram Koch belohnte das Publikum mit lautem Applaus.
Foto: dpa
Herbert Fritsch inszeniert bei den Ruhrfestspielen „Die Offenbarung des Johannes“. Am Ende gab es Applaus – trotz phasenweiser Ermüdungserscheinungen.

Recklinghausen. Braucht das Theater eine Apokalypse, wo es mit Becketts „Endspiel“ das großartigste Untergangsdrama selbst gebar? Für die Ruhrfestspiele (Uraufführung am Donnerstag) und Berlins Volksbühne fragt sich das nicht: Herbert Fritsch. Der Allesabforderer unter den Wimmel-Regisseuren greift nach einem finsteren Stern und inszeniert „Die Offenbarung des Johannes“.

Hübsch schlau, denkt man anfangs, da Fritsch (Bühne auch sein Werk) nachgerade parodistisch Theatergeschichten erzählt und einem schwefelgelben Grab-Rechteck ein schwefelglanzgelber Prophet entsteigt – zu tänzeln und zetern, zu salbadern und psalmodieren, zu winseln und zu schäkern. Und weil der schwarze Tanzboden, auf dem er das tut, den heiligen Monolog vor Schönheit fast spiegelt, fühlt man nicht nur eine gallige Spitze auf die Designer-Operetten Bob Wilsons. Nein, das möglich Genialische dieses Abends ist zum Greifen nah.

Da ist mit einem einzigen Bild eingefangen die furchterregende Ähnlichkeit eines poliert-geschwätzigen Entertainers mit den pompösen Drohgebärden des Bibelwortes. Deckungsgleich hohles Clownsgetön und großes Rätsellied, das Menschengeschlechte in Angst, Schrecken (und folglich in Frömmigkeit) versetzte.

Koch’sche Kraftleistung

Doch je länger diese 90 Minuten dauern, je mehr vermisst man Fallhöhe, Entwicklung und, bitte, eine Geschichte über die ermüdende Ornamentik des Urtextes hinaus. Wenn selbst einem Schauspieler wie Wolfram Koch (mit hoher Stirn wie Dürers Johannes-Porträt) die Farben, Ebenen, Töne knapp zu werden scheinen, dann wünschen wir mit sacht schlechtem Gewissen jenes Ende herbei, das bloß das der Vorstellung ist, nicht der Vorsehung.

Applaus – vor allem für die Koch’sche Kraftleistung, der eine mitinszenierte Dauerssoufflage das Wunder von Recklinghausen ein bisschen irdischer machte.

Die Ruhrfestspiele laufen noch bis 19.Juni.

 
 

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