Angriff der gefallenen Society-Lady

Journalistin, promoviert, arbeitssuchend, Ehefrau: Dorothee Achenbach erinnert sich in „Meine Wäsche kennt jetzt jeder“ an ihren Absturz.
Journalistin, promoviert, arbeitssuchend, Ehefrau: Dorothee Achenbach erinnert sich in „Meine Wäsche kennt jetzt jeder“ an ihren Absturz.
Foto: dpa
„Meine Wäsche kennt jetzt jeder“: Dorothee Achenbach rechnet ab – mit der Justiz, der Medienmeute und mit ihrem Mann, dem betrügerischen Kunstberater.

Düsseldorf..  Auch ihr Fall war kilometertief: Bevor der Kunstkaufberater und geschmeidig agierende Gesellschaftslöwe Helge Achenbach unter millionenschwerem Betrugsverdacht hinter den Gittern der Essener Justizvollzugsanstalt verschwindet, war seine Frau Dorothee eine der ersten Düsseldorfer Society-Ladies. Eine elegante, herzerfrischende Jetset-Gastgeberin, zu deren glamourösen Festen man sich gerne einladen ließ. In den drei Restaurants ihres Mannes ging gar Hollywood ein und aus. Zum Ende des Jahres aber wird sie aus ihrer 400-Quadratmeter-Villa im Düsseldorfer Nobel-Stadtteil Oberkassel ausziehen müssen – verkauft. Wie so vieles, bis hin zu Regalmetern von Büchern, die ihre Kinder auf dem Flohmarkt verramscht haben.

Mit einem Buch aus der Liquiditätsklemme

Aber vielleicht hilft ihr jetzt ein einziges Buch wenigstens vorübergehend aus der Liquiditätsklemme. Sie hat es selbst geschrieben, und der Titel „Meine Wäsche kennt jetzt jeder“ verrät schon, dass die promovierte Kunsthistorikerin das Schreiben als Journalistin nicht nur in stillen Redaktionsstuben, sondern auch auf dem Boulevard gelernt hat. Er verrät aber auch die Verletzung, die ihr tiefer Fall hinterlassen hat. Und es ist eine Abrechnung mit deutscher Bürokratie und Justiz, mit der Medienmeute und der Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht, die das Verfahren gegen Achenbach ins Rollen brachte: „Sechs Jahre Haft, 20 Millionen Euro Schadensersatz, das Firmenimperium insolvent, die Kinder traumatisiert – da würde man doch vielleicht sagen: Jetzt ist genug.“

Schon die Wohnungsdurchsuchung gleich nach der Verhaftung ihres Mannes am Düsseldorfer Flughafen traumatisiert Dorothee Achenbach, so ähnlich fühlen sich sonst die Opfer von Wohnungseinbrüchen: Die Beamten ließen nichts undurchsucht, weder die 72 Fotoalben der „Mamarazzi“, wie Dorothee Achenbach von ihren Kindern genannt wird, noch die Schubladen mit den Dessous – und sie ist „froh, dass alles schön ordentlich und sortiert ist“.

Sie ist wütend auf ihren Mann

Aber vor allem lässt Dorothee Achenbach in ihrem Buch seelisch die Hosen runter. Da ist die große Verletzung durch ihren Mann (63), dessen vierte Ehefrau sie 1996 wurde und auf den sie jetzt „natürlich wütend“ ist. Sie ahnte bis zuletzt nichts von seinen Machenschaften. Aber: Alle 14 Tage darf er von bis zu drei Menschen Besuch bekommen, „und ich bin dann da, außer ich bin verhindert, so wie heute“, lächelte die 52-Jährige gestern bei der Vorstellung ihres Buches im Düsseldorf. Die Abrechnung mit Achenbach, dessen „Verrat an seinen Kindern, seinen Kunden und an mir“ tief gehe, hat sie bis vor kurzem noch zurückgehalten. Über ein Jahr lang seien alle Gespräche im Gefängnis, wo ihr Mann mit dem ebenfalls einsitzenden Thomas Middelhoff und einem Wärter um eine Haribo-Tüte Karten gespielt hat, überwacht worden. Tränen, Seelenfragen und Vorwürfe finden erst nach 14 Monaten Haft unter vier Augen statt.

Mit Galgenhumor Contenance wahren

Überhaupt ist Dorothee Achenbach durchweg darum bemüht, die Contenance zu wahren, mit viel Ironie und Galgenhumor, die ihre Abrechnung zum Lesefutter machen. Ihr Gespür für Komik liefert Kuriositäten am Fließband, angefangen bei der gelben Damenhandtasche, mit der ihr Mann in den Knast einzieht: Sie hatte am nächsten Kiosk noch schnell ein Mettbrötchen mit Senf besorgt und es mit dem Kulturbeutel und Wäsche in ihre Handtasche gestopft. Zwölf Monate später habe ich die Tasche trotz wiederholten Nachfragens immer noch nicht wiederbekommen. Hoffentlich haben sie das Mettbrötchen rausgenommen.“

Dorothee Achenbach beschreibt die vielen Schlagzeilen und Falschmeldungen, die kursierten – angefangen bei der Legende, sie und ihr Mann seien direkt aus dem brasilianischen WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft gekommen, als die Polizei sie am Flughafen erwartete. Dabei kamen sie aus Washington, das Geburtstagsfest einer Freundin hatte drei Tage gedauert. Da war die Welt noch in Ordnung.

 
 

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