Andrew Garfield ist der neue Spiderman

Arnold Hohmann
"The Amazing Spiderman" mit Andrew Garfield.
"The Amazing Spiderman" mit Andrew Garfield.
Foto: Sony
Spiderman-Filme gibt es viele. Nicht alle sind sehenswert. Deshalb gruseln sich Kino-Fans oft vor der neuesten Neuauflage des Comic-Klassikers. Doch diesmal geht alles gut: Andrew Garfield glänzt als Spinne mit Wut im Bauch.

Essen. Bei Superhelden ist das nun mal so: Wenn ein neuer Regisseur das Sagen hat und auch noch ein neuer Hauptdarsteller antritt, dann wird eine einmal begonnene Serie nicht einfach weitererzählt. Stattdessen beginnt man noch mal ganz von vorn, weil engagierte Filmemacher populären Comic-Figuren gern ihren eigenen Stempel aufdrücken. Beim Hulk war das so, bei Batman sogar ganz explizit – und nun ist es auch bei unserem kostümierten Spinnenfreund „The Amazing Spider-Man“ so weit, der am Donnerstag ins Kino kommt.

Vor fünf Jahren war noch Tobey Maguire Spiderman

In Hollywood kann in dieser Hinsicht nichts mehr schnell genug gehen. Fünf Jahre ist es erst her, dass Tobey Maguire zum dritten und letzten Mal als Peter Parker für den Regisseur Sam Raimi seine Spinnennetze auswarf. Vorbei, vergessen. Der Mann der Stunde heißt jetzt Andrew Garfield („The Social Network“), kommt nach dem untersetzt wirkenden Vorgänger nun lang und schlaksig daher und hat auch sonst nicht viel mit ihm gemein.

Wenn die Spinnenkräfte durch den Biss eines genmanipulierten Insekts über ihn kommen, dann denkt er zunächst einmal an Rache. Er hat eine Stinkwut im Bauch nach dem ganzen Mobbing auf der High School. Und dann sucht er ja auch noch verzweifelt nach dem Dieb, der seinen Onkel auf offener Straße erschossen hat.

Wenigstens mit der Liebe klappt es

Bevor das Drehbuch ihm den ersten Superbösewicht serviert, hat dieser Peter Parker eigentlich bereits genug Probleme. Allein mit der Liebe klappt es diesmal bestens, auf den ersten Kuss mit der angebeteten Mitschülerin Gwen (Emma Stone) muss man nicht lange warten. Kein Wunder also, dass dieses taffe Mädchen auch die neuen Fähigkeiten ihres Freundes gelassen nimmt, der nachts wie Romeo gern über den Balkon erscheint und so gar keine Angst vor den 20 Stockwerken darunter zeigt.

Anders als Sam Raimi mit seinen knallfarbenen Comic-Figuren sucht Regisseur Marc Webb hinter dem Comic stets die Realität mit all ihren gebrochenen Figuren. Statt eines Willem Defoe als „Grüner Goblin“ also gibt es hier mit dem einarmigen Curt Connors (Rhys Ifans) einen verzweifelten Wissenschaftler, der mit seinen Gen-Experimenten der Welt eigentlich viel Gutes schenken möchte. Dann aber mutiert er bei einem Selbstversuch zur gigantischen Echse und lernt die Verlockung von Macht und Stärke kennenlernt. Spider-Mans dunkler Bruder ist geboren.

Batman lässt grüßen

Für das Dunkel ist Webb überhaupt zu haben. Gezielt sucht er in den Nachtsequenzen die Nähe zum „Dark Knight“ Batman, vor allem, wenn er zum Ende hin den Spider-Man auf Häuserzinnen drapiert, von wo sein wachendes Auge auf der Stadt ruht. Wenn er dann zum Einsatz schreitet, nimmt eine subjektive 3D-Kamera uns mit in die Lüfte, lässt uns an unzerreißbaren Spinnenfäden schwingen oder in unendliche Tiefen stürzen. Wir machen quasi den Freischwimmer für das, was spätestens 2014 als Fortsetzung zu erwarten ist.