50 Spielorte, 500 Veranstaltungen und 2000 Künstler bei der Extraschicht 2014

Oliver Kühn
Am 28. Juni feiert das Revier wieder seine Extraschicht. Der Landschaftspark Nord in Duisburg-Meiderich feiert dabei seinen 20. Geburtstag.
Am 28. Juni feiert das Revier wieder seine Extraschicht. Der Landschaftspark Nord in Duisburg-Meiderich feiert dabei seinen 20. Geburtstag.
Foto: WAZ FotoPool
Piratenpolka und Malocherlieder, Lasershows und Schiffshebewerk-Fontänen: Am 28. Juni feiern wieder Tausende die Extraschicht im Ruhrgebiet. Das erste Mal sind die Ruhrfestspiele aus Recklinghausen bei der "Nacht der Industriekultur" dabei.

Essen. Einmal im Jahr ist das Ruhrgebiet wieder Kulturhauptstadt Europas. Bei der diesjährigen Extraschicht am Samstag, 28. Juni, werden zwischen 18 und 2 Uhr nachts rund 200.000 Besucher erwartet, die in 20 Revierstädten an 50 Spielorten auf Entdeckungstour gehen: Die 14. Nacht der Industriekultur wird wieder "das größte Kulturfest in Europa", sagt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Touristik. Knapp 2000 Künstler und Musiker verwandeln das Ruhrgebiet mit 500 Veranstaltungen in eine riesige Kulturparty, die unter dem Motto „Zuhause in Europa“ auf Bühnen und Straßen, an Denkmälern und in vollen Zügen gefeiert wird.

Erstmals dabei sind die Ruhrfestspiele, die in der Halle König Ludwig 1/2 in Recklinghausen ein Jugendsinfonieorchester musikalisch reisen lassen und modernes Theater samt Luftakrobatik zeigen. Auch für das Bochumer Ruhrstadion ist es eine Premiere. VfL-Trainer Peter Neururer kommt, um zu lesen und zu diskutieren und bringt Gäste mit. Anschließend spielen Bochums Symphoniker unter Leitung von Steven Sloane für die Stadionbesucher.

In Essen gibt's Straßentheater

Wie man im Revier auf den Putz haut, mit Piratenpolka und Malocherliedern, zeigt die Arbeitersiedlung Eisenheim in Oberhausen, mit über 160 Jahren die älteste weit und breit. Auch das Schauspielhaus Bochum legt als Hauptquartier des "Detroit-Projekts" eine Extraschicht ein und öffnet die ehemalige Eve-Bar. Premiere hat zudem das Lichtkunstwerk Ostpol im westfälischen Bönen, ein ehemaliger Förderturm.

An einem bewährten Spielort wie der Welterbe-Zeche Zollverein in Essen wird mit Straßentheater aus ganz Europa aufgetrumpft, der Gasometer Oberhausen bietet den "Schönen Schein", die Jahrhunderthalle Bochum eine Poerty-Jazz-Slam und die Zeche Zollern in Dortmund eine "Nacht der Unterwelten". Und der Landschaftspark Nord in Duisburg begeht sein 20-jähriges Jubiläum mit Live-Musik, Pyro- und Lasershow sowie mit großem Feuerwerk. Zum 100-jährigen Geburtstag des Rhein-Herne-Kanals verspricht das Schiffshebewerk in Waltrop eine spritzige Fontänenshow.

WDR hält das Spektakel fest

Auch im Nahverkehr gibt es auf ausgewählten Linien Kunst und Kultur. Mal singt die junge Sopranistin Eva-Maria Falk, mal schmettert ein Shantychor seine Lieder. Wortakrobaten dichten in Poetry Slams um die Wette, TV-Schauspieler wie Christine Sommer und Martin Brambach präsentieren Literatur, klassische Musiker packen Violinen und andere Instrumente aus.Schließlich werden auch die traumatischen Facetten des "Zuhauses in Europa" nicht ausgesprart: Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg gibt es in Essen (Ruhrmuseum), Oberhausen (Zinkfabrik Altenberg) und Hattingen (Henrichshütte).

Und wer die Nacht der Industriekultur verpasst, kann den Fernseher einschalten. Die Duisburger Moderatorin Aslı Sevindim will die Faszination der Extraschicht für den WDR einfangen (29. Juni, 16.15 Uhr). Die Finanzierung für das 1,5 Millionen Euro teure Industriekultur-Feuerwerk ist bis 2015 gesichert. Die Landesregierung fördert es in diesem Jahr mit 300.000 Euro und im nächsten mit 200.000. Wie es ab 2016 finanziell weitergeht? "Das müssen wir uns überlegen", sagt Ruhr-Touristiker Axel Biermann.