Zwischen Grillgut und Fladenbrot

Straßenfest der Islamischen Union auf dem Werdelsgraben.                                          Foto: Dietmar Wäsche
Straßenfest der Islamischen Union auf dem Werdelsgraben. Foto: Dietmar Wäsche
Foto: Dietmar Wäsche

Kamen. Sie sind zum ersten Mal auf einem türkischen Fest. „Wir haben davon gelesen und sind einfach mal hingefahren“, erzählt das deutsche Ehepaar. Sie fühlen sich pudelwohl im bunten Treiben im Werdelsgraben. Vor allem deshalb, weil es hier so viele Leckereien gibt. „Wir lieben türkisches Essen“, erzählen sie. Außerdem „ist auch unser Döner-Mann hier mit einem Stand.“

Nur kurze Zeit bleibt das Ehepaar allein auf den Bänken unter dem Zelt sitzen. Schon bald kommt ein Vertreter der islamischen Union auf sie zu und begrüßt sie, wechselt ein paar Worte mit ihnen. Genau das ist ein Zweck des inzwischen schon traditionellen Straßenfestes der islamischen Union. Immer wenn der Frühling seinen Höhepunkt erreicht, wollen die Mitglieder nicht nur unter sich, sondern auch mit den Nachbarn feiern und Berührungsängste überwinden. Allerdings: „Es ist schade, dass nicht so viele Deutsche hier sind“, bedauert das Ehepaar.

Das war am Samstagmorgen zu Beginn des Festes noch anders. „Es haben uns viele besucht, die unseren Gebetsraum kennen lernen wollten“, erzählt Melike Yücel. Einige Moschee-Führungen hat sie mitorganisiert. „Die Leute interessieren sich dafür“, hat sie beobachtet. „Viele kennen auch schon die wichtigsten Elemente wie die Gebetsnische, die nach Mekka ausgerichtet ist, die Predigtkanzel und die Kanzel für das Freitagsgebet von Moscheebesuchen im Urlaub in der Türkei.“

Überraschung steht dann allerdings auf den Gesichtern, wenn die Besucher von Maria und Jesus hören, die auch im Koran erwähnt werden. Oder wenn sich herausstellt, dass auch Abraham im Islam eine wichtige Person ist.

Wer genau hinschaute, entdeckte beim Straßenfest noch weit mehr Gemeinsamkeiten. Wie das Grillen. „In der Türkei wird immer gegrillt – selbst wenn es schneit“, erzählt Melike Yücel mit einem Lachen. Ob da womöglich etwas aus Deutschland importiert wurde, bleibt offen. Im Werdelsgraben brutzelten jedenfalls Fische und Spieße verführerisch auf gleich mehreren Grillrosten. Außerdem hatten sich die Zelte pünktlich zur Meisterschaftsfeier des BVB deutlich geleert. Viele wollten auch dort feiern – gemeinsam mit den deutschen Fans.

An den großen Tischen, an denen die Frauen die Teigfladen für Börek und Gözleme ausrollten, kam außerdem das gute deutsche Nudelholz zum Einsatz. Für die ganz großen Fladen war das türkische lange Rundholz allerdings unerlässlich. Gemeinsam ergänzten sich beide Instrumente perfekt, um die Rezepte umzusetzen, die die meisten Frauen von ihren Müttern gelernt haben. Und an den Tischen mischten sich deutsche und türkische Wörter. Ganz selbstverständlich.

 
 

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