Zumwinkel gesteht: "Das war der größte Fehler meines Lebens"

Bernd Kiesewetter
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Bochum. Der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel hat Steuerhinterziehung in Höhe von knapp einer Million Euro gestanden. "Das war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich. Ich will hier reinen Tisch machen", sagte er vor dem Bochumer Landgericht.

Der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel hat Steuerhinterziehung in Höhe von knapp einer Million Euro gestanden. Zumwinkel räumte am Donnerstag vor dem Landgericht Bochum ein, Gelder über eine Stiftung im Steuerparadies Liechtenstein am Fiskus vorbeigeschmuggelt zu haben. "Der mit der Anklage gegen mich erhobene Vorwurf trifft zu", sagte Zumwinkel. "Das war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich. Ich will hier reinen Tisch machen", ergänzte er. Theoretisch droht Zumwinkel eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren; Beobachter erwarten aber eine Bewährungsstrafe.

Auf die Frage nach dem "Warum" antwortete Zumwinkel dem Richter: "Diese Frage habe ich mir in den letzten Monaten häufig gestellt. Ich bin so beraten worden, dass man einmal versteuertes Geld nicht nochmal versteuern sollte." Über Steuer-Amnestie habe er wohl nachgedacht, aber "ich hatte große Angst, dass das durch Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt." Das wäre ein Desaster gewesen.

Der Richter erklärte zudem, dass die Daten aus der Steueraffäre vom Gericht verwertet werden, obwohl sie aus einer unbekannten Quelle zugespielt wurden. Hanns W. Fiegen, Anwalt von Klaus Zumwinkel, betonte, er habe auf eine rechtliche Prüfung verzichtet, da sein Mandant "reinen Tisch" machen wollte. Auf die Spur Zumwinkels waren die Ermittler gekommen, nachdem ein Informant dem Bundesnachrichtendienst gegen ein Millionenhonorar eine DVD mit Kontodaten aus Liechtenstein verkauft hatte.

Spektakuläre Hausdurchsuchung

Zumwinkel war unter anderem Chef des Versandhauses Quelle gewesen und führte seit 1990 die damalige Deutsche Bundespost, die er im Jahr 2000 als Deutsche Post AG an die Börse brachte. Am 14. Februar hatten die Behörden sein Haus in einem Kölner Villenviertel durchsucht. In der Folge musste Zumwinkel sein Amt als Vorstandschef der Post und seine Aufsichtsratsmandate unter anderem an der Spitze des Kontrollgremiums der Deutschen Telekom aufgeben.

Auch die Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen der Spitzelaffäre bei der Telekom ein Auge auf ihn geworfen. Ihre Untersuchungen dauern noch an.

Meine Burg, meine Autos, meine Aktien - Zumwinkels Vermögen

Zum Prozessauftakt musste Zumwinkel Angaben zu seinen Vermögensverhältnissen machen. Dazu gehören unter anderem Aktien und andere Anlagen im Wert von rund acht Millionen Euro. Den Wert seiner Burg am Gardasee, die Zumwinkel vor zehn Jahren gekauft hat und als Ferienhaus nutzt, gab er mit rund fünf Millionen an. Hinzu kommen unter anderem ein Motorboot und zwei Autos. Sein Jahreseinkommen für 2009 schätzt Klaus Zumwinkel auf rund 600.000 Euro netto.

Er gab auch Auskunft über seine Zeit bei der Deutschen Post, an deren Unternehmensspitze er seit 1990 stand. "Es folgten 18 Jahre Sanierung, Neustrukturierung und Internationalisierung", so der Angeklagte. Er verwies auch auf die Position des Unternehmens als "einer der größten privaten Arbeitgeber weltweit" mit mehr als 500.000 Mitarbeitern.

Eintrittskarten für Zuschauer

Der Prozess hatte bereits für einen riesen Auflauf im Vorfeld gesorgt: Eintrittskarten für Zuschauer, Straßensperren, Leibesvisitation - das hatte es in Bochum zuletzt 2002 gegeben, beim Mordprozess gegen das Satanisten-Ehepaar Ruda. Zwei Straßen wurden dicht gemacht, die Viktoriastraße mit ihrem Publikumseingang wurde bereits eine Stunde vor Verhandlungsbeginn für Busse gesperrt. 59 Journalisten aus ganz Deutschland hatten eine der begehrten Zugangsberechtigungen erhalten.

Für DerWesten berichtet Reporter Bernd Kiesewetter per Twitter aus Bochum.

Medieninteresse ist riesig

Während der Medienauflauf riesig war, hielt sich das Interesse der Bevölkerung am frühen Morgen noch in Grenzen. Erst kurz vor Prozessbeginn standen die Besucher Schlange, um einen der 41 Sitzplätze zu ergattern. Unser Reporter berichtete zudem von Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude. "Für Zumwinkel ist alles klar, der Strafprozess nur ein Basar", ließen sie verlauten.

Zumwinkel selbst kam in einer schwarzen Mercedes-Limousine mit abgedunkelten Scheiben. Zwei Personenschützer sorgten für seine Sicherheit.

Weltweit wird über den Fall Zumwinkel berichtet, der nur einer, wenn auch der prominenteste in einer Reihe von 450 bei der Staatsanwaltschaft Bochum anhängigen Ermittlungsverfahren ist. (ddp/rtr/NRZ/WAZ)

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