Zum Glück zwingen - von Denise Ludwig

Was sich Ursula von der Leyen und Kristina Schröder (beide CDU) liefern, ist nicht die beste Werbung für das, was sie beide erreichen möchten: mehr Frauen in Führungspositionen. Statt an einem Strang zu ziehen, arbeiten sie an ihrer eigenen Profilierung. Während Schröder an der freiwilligen Selbstverpflichtung der Dax-Unternehmen festhält, setzt von der Leyen auf eine gesetzliche Quote. Zwei Ministerinnen, zwei Meinungen. Wo liegt die Wahrheit?

Fakt ist: Die Unternehmen verpflichteten sich bereits vor mehr als zehn Jahren, Frauen in Führungspositionen zu bringen. Passiert ist seitdem nicht viel. Was also soll eine erneute Selbstverpflichtung à la Schröder bringen? Zwar haben nun die Dax-Unternehmen ihren Ist- und Sollzustand dargelegt, doch es bleiben zu viele Fragen. Zum Beispiel, wer als Führungskraft durchgeht: Die Managerin, die im Vorstand sitzt, oder die Leiterin einer Bankfiliale im 2000-Seelen-Dorf? Die Wirtschaft bleibt unkonkret. Frau Schröder zeigt vorsichtshalber die Zähne und droht mit Strafen bis 25 000 Euro. Das dürfte die Dax-Unternehmen, die mit weitaus höheren Summen hantieren, wenig interessieren.

Dass eine ausgeglichene Personalstruktur vorteilhaft fürs Unternehmen ist, ist unbestritten. Mehr Frauen in Führungsetagen sind eine Chance, Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen. Zum einen haben sie oft eine andere Sicht auf die Dinge, zum anderen sind sie in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Konsumentengruppe.

Wer das nicht erkennt, muss zu seinem Glück gezwungen werden - mit einer verpflichtenden Frauenquote. Damit wir uns nicht missverstehen: Frauen sind nicht per se die besseren Führungspersönlichkeiten. Eine Quotenregelung darf nicht dazu da sein, die Frau schlichtweg nach oben zu befördern. Ihre Leistung muss stimmen. Eine Studie belegt, dass Männer im oberen Management Frauen wenig zutrauen. Ohne Quote dürfte manches Talent unentdeckt bleiben. Und das in Zeiten des Fachkräftemangels.

 
 

EURE FAVORITEN