Zirkus Renz: Mittelstand in der Manege

Eine Mischung aus Variete und Show. Der Zirkus Renz bringt Akrobaten in die Manege. Foto: Guido Raith
Eine Mischung aus Variete und Show. Der Zirkus Renz bringt Akrobaten in die Manege. Foto: Guido Raith
Foto: Stefanie Sachse

Lüdenscheid.. Das Zirkuszelt ist die Firma, die Vorstellung das Produkt, und in den Wohnwagen, einer Siedlung gleichend, leben die Arbeitnehmer. Vielleicht lässt sich so am bildlichsten das Unternehmen Zirkus beschreiben. Denn auch die Welt der Seiltänzer, Clowns und Dompteure beruht auf wirtschaftlichen Strukturen, ähnlich denen jeder anderen mittelständischen Firma.

Im Gespräch mit Henry Renz vom Zirkus Manege Renz und Pressesprecher Manfred Künitz, wird deutlich, wie wenig Nostalgie noch in einem Zirkusleben steckt. Denn bei über 300 Zirkussen, die alleine in Deutschland gastieren, ist die Konkurrenz groß. Obgleich das Credo gilt, „Wettbewerb belebt das Geschäft“, gibt Henry Renz nüchtern zu: „Es ist ein Hauen und Stechen.“

Der Pool möglicher Besucher, möglicher Endkunden, wird immer kleiner. Abgenutzte Bilder, Vorurteile und eine darausfolgende Sättigung macht Renz dafür verantwortlich. Er ist Geschäftsführer – kein Zirkusdirektor. „Wir sind kein Traditions- und Familienunternehmen“, erklärt Renz, obgleich er selbst aus einer klassischen Zirkusfamilie stammt und alleine wegen des Namens gegen antiquierte Vorstellung kämpfen muss.

2001 gründete er „Renz Manege“ mit dem Ziel eine neue, eine moderne Form des Zirkus’ zu zeigen. Eine Mischung aus Varieté, Show, Theater und Zirkus sollte es werden.Den Clown mit roter Nase und zu großen Schuhen sucht man genauso vergeblich wie den Zirkusdirektor, der durch das Programm führt. Kurze Acts, dazu Rockmusik und entsprechende Lichteffekte sollen überzeugen.

Artisten über Agenturen eingekauft

Artisten werden über Agenturen eingekauft, werden für eine Saison angestellt, ähnlich wie Schauspieler am Theater. Nach der Sommerpause wechselt die Belegung. Die Künstler kommen von Artistenschulen oder sind Leistungssportler. „Bei uns reisen keine Familien“, sagt Künitz. Denn eine ordentliche Ausbildung gehöre auch zu dem Job. Rentenversicherung, Krankenkassenbeiträge, Sozialversicherung – all das zahle der Zirkus genau wie jeder andere Arbeitgeber. Als gläserne Strukturen bezeichnet Renz das Management des Zirkusses. Den Abnahmen und Prüfungen seien sie klar unterworfen. „Wir sind ein kleines mittelständisches Unternehmen, zu dem ungefähr 63 Männer und Frauen zählen.“

Renz Manege hat sich für einen artistischen Schwerpunkt entschieden. Nur ein paar Pferde, Hunde und Esel findet man hier. Geschuldet sei das der politischen Wandlung: „Alles schlägt sich auf die Seiten der Grünen.“ Darum ist auch „Grünes Produktmanagement“ angesagt: Nicht die Kosten der Tiere seien entscheidend, denn die seien geringer als die des Artisten: „Oder haben Sie schon mal einen Elefanten mit Lohnsteuerkarte gesehen?“ Vielmehr vertrete man die Linie: „Wir sind doch kein Zoo.“

Abhängig von der Wirtschaftslage

Wie abhängig der Zirkus von der Wirtschaftslage ist, zeigt die Tour-Planung: „Im Osten spielen wir nur wenig“, sagt Künitz. Die hohe Arbeitslosigkeit und die niedrige Bevölkerungsdichte spreche nicht für ausverkaufte Vorstellungen. „Außerdem mögen die Leute es dort lieber klassisch.“ Ohnehin seien die Menschen nicht bereit, viel Geld für den Zirkus zu bezahlen. Das läge an Klischees und der Erwartungshaltung: „Kennst ‘de einen, kennst ’de alle“. Eintrittspreise könnten also nur erhöht werden, wenn nichts anderes mehr ginge. So muss das Unternehmen Zirkus weiter an seinem Image arbeiten, um ein glaubwürdiges Produkt auf den Markt zu bringen.

 

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