Zeugin: „Hilfegesuche blieben liegen!“

Nadine Gewehr
Der Angeklagte mit seinen Anwälten.
Der Angeklagte mit seinen Anwälten.
Foto: WAZ FotoPool
Im Prozess um den Mann, der mit seinem Reeser Verein Tausende Kunden betrogen haben soll, sagte am Mittwoch die Hauptbelastungszeugin aus. Pikant: Der Anwalt des Angeklagten ist in die Geschäfte seines Mandanten involviert.

Kleve/Rees.  Es kann also sein, dass ein Call-Center morgens Gewinnspiele an den Mann gebracht hat und abends dafür geworben hat, vor solchen Gewinnspiel-Angeboten zu schützen? Ja, theoretisch könne das so sein, sagte am Mittwoch die Hauptbelastungszeugin im Prozess um den 40-jährigen Mann aus Hamminkeln, der mit seinem Reeser Verein „Verbraucher Werbeschutzbund“ rund 9000 „Kunden“ betrogen haben soll. Die 51-jährige Zeugin hatte dem Angeklagten Call-Center vermittelt, die wiederum eine Mitgliedschaft in dem Verein des Angeklagten per Telefonakquise verkaufen sollten.

Sie habe dann aber gemerkt, dass „irgendetwas schief gelaufen ist“, so die Zeugin. Versprochen wurde den Kunden wie berichtet, dass sie, wenn sie denn Mitglied im Werbeschutzbund werden, auf Sperrlisten vermerkt würden und so zukünftig von Gewinnspiel- und Abo-Angeboten am Telefon verschont blieben. Dafür mussten sie knapp 90 Euro bezahlen. Wenn ein Kunde dann doch in die sogenannte „Abo-Falle“ getappt wäre, hätte der Angeklagte, so das Versprechen, mit seinen Fachanwälten geholfen. „Das ist aber nie geschehen“, so der Vorwurf der Zeugin. „Rechnungen und Mahnungen hatten Vorrang.“ Hilfegesuche der Kunden seien erst einmal unbearbeitet geblieben.

Habe ein Kunde am Telefon Hilfe gesucht, hätte sie selbst oder einer ihrer Kolleginnen, Mitarbeiterinnen auf 400-Euro-Basis, gesagt, Beschwerden müssten schriftlich eingehen. Sie habe daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Angeklagten beendet. Allerdings wohl zu spät: Sie wurde wegen der vorliegenden Fälle wegen Beihilfe zum Betrug bereits zu einer Geldstrafe verurteilt. „Und ich habe bezahlt“, sagt sie. Sie habe zwar niemanden schaden wollen, „aber Dummheit schützt vor Strafe nicht“.

Rechtfertigen musste sich die Zeugin am Mittwoch vor allem vor dem Verteidiger des Angeklagten. Denn, das macht es interessant: Der Anwalt arbeitet schon länger mit seinem Mandanten zusammen, ist also auch in die Geschäfte um den Verein involviert. Allerdings: Wie auch der Angeklagte habe er sich die ganze Sache etwas einfacher vorgestellt, sagte der Jurist dem Gericht. Kundenberatungen seien oft an den Kunden selbst gescheitert. Denn diese sollen ihn nicht vernünftig über die vorliegenden Fälle informiert haben. Das Ziel habe der Verein trotzdem immer erreicht, so der Anwalt. Die Unternehmen, die unerlaubte Werbeanrufe getätigt haben sollen, wurden nämlich angeschrieben und aufgefordert, Verträge offenzulegen. Das habe gereicht, um die ungewollten Anrufe einzustellen. Der Prozess wird am 1. März fortgesetzt.