Zankapfel im Grenzgebiet

Die gesamte Familie auf dem Bauernhof Tillmann-Heinemann in Blintrop-Niedernhöfen, diese Aufnahme ist 100 Jahre alt, stammt aus dem Jahr 1912.
Die gesamte Familie auf dem Bauernhof Tillmann-Heinemann in Blintrop-Niedernhöfen, diese Aufnahme ist 100 Jahre alt, stammt aus dem Jahr 1912.
Foto: WR

Neuenrade/Blintrop. Ein Bauernhof als Zankapfel der mittelalterlichen Herrscher – das war der Hof Tillmann-Heinemann in Blintrop-Niedernhöfen. Heimatforscher Dr. Rudolf Tillmann hat die wechselhafte Geschichte des Gutes erforscht und damit promoviert. Am Mittwoch stellte er seine Forschungsergebnisse interessierten Geschichtsfreunden in der Villa am Wall vor.

„Schon als Pennäler haben ich mich für Geschichte interessiert“, erzählt Rudolf Tillmann. Er stammt vom Hof Grübeck in der Nähe von Eisborn. Sein Vater ist allerdings in Niedernhöfen geboren. 1932 hat er die Erbin des Eisborner Hofes geehelicht. Seit seiner Pensionierung 2003 widmet sich Rudolf Tillmann der Geschichte dieser Höfe und damit auch seiner Familie.

Bewohner litten unter Kirchenbann

Die früheste Erwähnung einer Besiedlung Blintrops finden sich schon in der Zeit des berühmten Sachsenherrschers Widukind (743-807). Später, im 11. Jahrhundert, ging Niedernhöfen in den Besitz des St. Severinsstifts in Köln über. Das Gut lag direkt an der Grenzen der Grafschaft Mark und des Herzogtums Westfalen. Eine Situation, in der Ärger vorprogrammiert war. Höhepunkt der Streitigkeiten war eine Strafe des Kölner Erzstiftes, ein kirchliches Interdikt, im Jahr 1501. Zehn Jahre lang wurde das religiöse Leben im gesamten Kirchenbezirk von Neuenrade, Werdohl und Ohle stillgelegt. Davon betroffen war auch Niedernhöfen. Darunter litten, erklärt Tillmann, im besonderen Maße die Bewohner dieser Gegend.

Hinzu kam die wirtschaftliche Situation: „Was der Bevölkerung zu schaffen machte, waren die Abgabenforderungen von beiden Herrschaften“, erläutert Tillmann. „Und damals gab es noch keinen Rettungsschirm“, kommentiert Stadtarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl.

Während seiner Recherchen hat Rudolf Tillmann, so berichtet er den Zuhörern, sechs Archive in ganz Deutschland durchforstet. Darunter auch das Historische Archiv in Köln. „Als das Archiv 2009 einstürzte, war ich verzweifelt“, erinnert er sich. Denn viele Quellen aus Neuenrade und Umgebung lagerten dort. Dann bekam Tillmann unerwartet Hilfe: „Mein Retter in der Not kam aus Neuenrade – Professor Dieter Stievermann.“ Stievermann, schon länger die Geschichte der Stadt erforscht, war im Besitz von Abschriften der Quellen aus dem Kölner Archiv. Damit konnte Rudolf Tillmann seine Forschungsarbeiten fortführen.

Auch nach seiner Dissertation lässt Dr. Rudolf Tillmann die Geschichte seiner Heimat keine Ruhe: „Wenn Sie einmal Blut geleckt haben, dann wollen Sie mehr wissen.“ Momentan befasst er sich zusammen mit Dr. Rolf Dieter Kohl und Werner Ahrens von der Heimwacht Balve mit einem besonderen Fund aus einem Archiv in Münster: Einem Abgaberegister von 1585, in dem mehr als 500 Familiennamen aus dem Hönnetal vermerkt sind. „Das ist ein besonderer Fund, da während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) die meisten Namensregister zerstört worden sind.“ Ein weiteres, spannendes Thema. Schließlich war das mittelalterliche Sauerland alles andere als langweilig.

 
 

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