Zahl der Einbrüche in NRW ist deutlich gestiegen

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einbrüche in NRW deutlich gestiegen. Foto: dapd
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einbrüche in NRW deutlich gestiegen. Foto: dapd
Die Zahl der Einbrüche ist in NRW im vergangen Jahr deutlich gestiegen. Trauriger Spitzenreiter im Revier ist Duisburg mit einem Anstieg um mehr als 20 Prozent. Wir erklären, wie Sie sich am besten schützen.

Duisburg. Etwa zwei Sekunden dauert es, auf einem guten Kaugummi kauend eine Blase zu produzieren. Oder mit einem Streichholz den Docht einer Kerze zu entzünden. Oder in ein Haus einzubrechen – zumindest dann, wenn dieses, wie 80 Prozent aller Neubauten, nicht ausreichend gesichert ist.

Ohne lange zu fackeln greift Uwe Gärtner zum Schraubenzieher. Sein Blick ist flüchtig auf den weißen Fensterrahmen gerichtet. Er setzt an, hebelt zweimal kräftig und drückt den Flügel per Hand auf. Hereinspaziert. So einfach ist das. Nur der rote Teppich ist dem Einbrecher trotz Einladung nicht ausgerollt.

Schmunzelnd legt Gärtner den Schraubendreher beiseite. Er weiß, dass seine Vorführung nicht nur am Testfenster Eindruck hinterlassen hat. Dann wird der Duisburger Kriminalhauptkommissar ernst. „Das ist ein Fenster, wie es sehr oft in Häusern und Wohnungen eingebaut ist. Der Einbrecher kann problemlos mit einfachstem Gerät hinein.“

Polizei empfiehlt gesicherte Fenster

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2010 im Vergleich zum Vorjahr NRW-weit um 8,9 Prozent auf rund 45 000 gestiegen. Trauriger Spitzenreiter im Revier ist Duisburg mit einem Anstieg um mehr als 20 Prozent auf über 1800 Fälle.

Ausschließen lässt sich ein Einbruch nicht – aber erschweren. „In der Regel sprechen wir von Gelegenheitseinbrechern. Das heißt nicht, dass sie nur gelegentlich einbrechen. Das heißt, dass sie bei sich bietender Gelegenheit zuschlagen“, erklärt Gärtner, der als sicherheitstechnischer Berater in der Beratungsstelle der Polizei seit 15 Jahren Aufklärung und Prävention zum Thema Langfinger betreibt. Und im Winterhalbjahr bieten sich wegen längerer Dunkelheit mehr Gelegenheiten.

Der gemeine Einbrecher hebelt klassisch den Rahmen auf. Zerstört er doch die Scheibe, dann mit dem Ziel, an den Griff zu gelangen. „Deshalb ist es wichtig, abschließbare Griffe zu verwenden“, sagt Gärtner. Fenster und Türen sind in Widerstandsklassen (WK) eingeteilt. Diese richten sich danach, wie lange das Objekt verschiedenen Einbruchwerkzeugen und -methoden standhält. Die Polizei empfiehlt bundesweit beim Neubau den Kauf von Fenstern und Türen der WK II und III, die Einbrechern mit Schraubenzieher oder Brecheisen fünfzehn bis zwanzig Minuten Paroli bieten. Ältere Fenster können zumindest mit neuen Beschlagelementen gegen Aufhebeln gesichert werden. Wer in seiner Wohnung nachrüsten möchte, muss ungefähr 300 Euro pro Fensterflügel rechnen.

40 Prozent aller Einbrüche werden abgebrochen

Alarmanlagen sind laut Gärtner nur das „Bonbon“. Die mechanische habe Vorrang vor der meldetechnischen Sicherung des Eigentums. „Wir wollen den Einbrecher ja nicht nur erschrecken – wir wollen ja in erster Linie, dass er nicht hineinkommt.“ Im Durchschnitt würden 40 Prozent aller Einbrüche abgebrochen.

Große Bedeutung im Kampf gegen Einbrecher komme der Nachbarschaft zu. Anwohner sollen aufmerksam sein, Fremde offensiv ansprechen, sich die Kennzeichen von verdächtigen Autos notieren, im Zweifelsfall Hilfe rufen. „Zwei Hühnerbeine und ’nen Ei ist die Nummer von der Polizei“, sagt Gärtner, schmunzelt wieder kurz und ergänzt mit ernster Mine: „Die Architekten müssen mehr und früher beraten!“ Statt toller, teurer Fliesen könne man auch zunächst auf sichere Fenster und Türen setzen, sich dann im Nachhinein um die Deko kümmern.

Wer die Widerstandsklasse seiner Fenster nicht erst durch den Praxistest vom Einbrecher bestimmt haben möchte, kann sich im Übrigen bei den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen melden – was Gärtner unbedingt empfiehlt. „Wir kommen dann raus. Kostenlos, aber sicher nicht umsonst.“

 
 

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