Zahl der Ehec-Fälle steigt rapide an

Eine Spur der Polizei bei der  Suche nach der Ehec-Quelle hat sich nicht bestätigt. (Foto: dapd)
Eine Spur der Polizei bei der Suche nach der Ehec-Quelle hat sich nicht bestätigt. (Foto: dapd)
Foto: dapd
Die Zahl der Ehec-Fälle ist in den vergangenen zwei Tagen in Deutschland um 200 gestiegen. In NRW sind 253 Ehec-Fälle gemeldet - davon sind 71 Personen schwer erkrankt. Das Robert-Koch-Institut spricht von einer Epidemie.

Hamburg.. Die Zahl der Ehec-Fälle steigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) weiter. In den vergangenen zwei Tagen seien 199 Neuerkrankungen gemeldet worden. Bei 50 Betroffenen habe sich die Infektion zum lebensgefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) entwickelt. Nach Angaben der RKI-Experten haben sich bislang 1733 Menschen mit dem Ehec-Erreger angesteckt, 17 Patienten starben. Als besonders gefährlich gilt eine HUS-Erkrankung, die mit blutigem Durchfall, Blutarmut und Nierenversagen einhergeht.

Die Zahl der von Laboren seit dem 1. Mai 2011 in Nordrhein-Westfalen gemeldeten Ehec-Fälle beträgt am Freitagmittag 253, davon sind 71 Personen schwer erkrankt. Am Dienstag waren es noch 200 gemeldete EHEC-Fälle, davon 49 Personen schwer erkrankt. Es gibt 54 weitere Personen, die ernsthaft erkrankt sind, bei denen aber ein Zusammenhang mit Ehec bisher nicht nachgewiesen werden konnte.

Ehec-Erreger wird über Nahrungsmittel aufgenommen

"Wir können in diesem Fall ganz sicher von einer Epidemie sprechen", sagte der RKI-Experte Klaus Stark im ZDF. "Es ist ein absolut unerwartetes Auftreten einer großen Zahl an Erkrankungen, die wir so in Deutschland bisher noch nie gesehen haben." Nach Einschätzung der Gesellschaft für Nephrologie gibt es aber einen Lichtblick. "Man hat ein bisschen das Gefühl, dass es etwas abflaut, aber die Zahlen geben das noch nicht eindeutig her", sagte der Präsident der Gesellschaft, der Nierenspezialist Reinhard Brunkhorst, Reuters TV.

Sicher sind sich die Experten, dass der Ehec-Erreger über Nahrungsmittel aufgenommen wird. Deswegen gilt nach wie vor die Empfehlung, auf den Konsum von rohen Salaten, Gurken oder Tomaten aus Norddeutschland zu verzichten. Unklar ist immer noch, wieso sich die Fälle auf Norddeutschland konzentrieren und warum viel mehr Frauen als Männer betroffen sind.

Neuinfektionen ausmachen und ausschalten

Die zuständigen Behörden von Bund, Ländern und das Robert-Koch-Institut haben eine Arbeitsgruppe eingerichtet, wie Aigners Sprecher erklärte. Ziel sei es, den Verlauf der Epidemie nachzuzeichnen und Strategien für die Aufklärung zu aktualisieren. „Untersuchungen laufen auf allen Ebenen auf Hochtouren.“ Die dringendste Frage bleibe, die Quelle für Neuinfektionen auszumachen und dann auszuschalten. Allerdings sei dies in der Vergangenheit in drei von vier Fällen nicht gelungen.

Auf der Suche nach der Ursache für die Ehec-Erkrankungen ermittelt die Hamburger Polizei laut eines Vorabberichts der „Bild“-Zeitung gegen zwei Großhändler und einen Gastronomen. „Wir ermitteln wegen des Verdachts des Inverkehrbringens von gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln im Zusammenhang mit den kontaminierten Gurken“, sagte ein Polizeisprecher dem Blatt. Den Angaben zufolge werden die Ermittlungen von der Wasserschutzpolizei geführt, sie ist für Lebensmitteldelikte zuständig. Laut Informationen von DerWesten sind die besagten Gurken allerdings nicht mit dem Ehec-Erreger kontaminiert.

Steigende Zahl in Bayern

In Bayern infizieren sich immer mehr Menschen mit dem EHEC-Erreger. Bis Freitag stieg die Zahl der amtlich erfassten EHEC-Fälle auf 69, das sind zehn mehr als bei der letzten Erhebung am Mittwoch dieser Woche, wie Gesundheitsminister Markus Söder am Freitag in Nürnberg mitteilte.

Gleich geblieben sei die Zahl der Patienten, die an der besonders schweren Verlaufsform, dem Hämolytisch-Urämischen-Syndrom (HUS), leiden. Derzeit sind 16 Patienten in Bayern von HUS betroffen. Söder zufolge gibt es bundesweit derzeit mehr als 1.200 EHEC-Fälle. Nur zwei Prozent der Infektionen beträfen Menschen aus Bayern. Die Lage sei dennoch ernst. „Wir können leider keine Entwarnung geben“, sagte der Minister. (dapd/rtr/we)

 
 

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