Wo Jecken im Ruhrgebiet um die Häuser ziehen

Sven Westernströer
(Foto: H.W. Rieck/WAZ-FotoPool)
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Die Karnevalszüge drehen ihre jecken Runden durchs Revier. In welchen Städten steigen die schönsten Umzüge und größten Parties? Wir geben einen Überblick über das närrische Treiben im Ruhrgebiet: Vom Schubkarren-Prunk in Gladbeck bis zu Stunk in Herne.

Ruhrgebiet. Cowboy oder Krankenschwester? Frosch oder Hexe? Wieder einmal stehen die Narren vor der Frage nach dem coolsten Kostüm – wenn am Wochenende und am Rosenmontag die Karnevalszüge ihre jecken Runden durchs Revier drehen.

Trotz aller altväterlichen Rituale ist der Karneval auch bei der Jugend angesagt, die nicht genug bekommen kann vom Feiern, Verkleiden – und Kamelle kauen bis der Zahnarzt kommt. Erstes Gebot: Du sollst dich nicht langweilen!

In welchen Städten steigen die schönsten Umzüge und größten Parties? Hier ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Alternative Karnevalsparty in Bochum

Der „Mummenschanz“ im Bochumer Kunstmuseum setzt am Samstag ab 20.30 Uhr auf schräge Akzente. Die alternative Karnevalsparty für alle, die mit „Helau!“ und Strüßje wenig am Hut haben, bietet Rock und Blues statt auf Humbatätärä (Karten: 27 Euro, Abendkasse).

Zum ersten Mal steigt am Samstag ab 20 Uhr in der Werkstadt Witten eine Karnevalsparty für Menschen mit Behinderungen und ihren Freunden. Eintritt: vier Euro.

Besonders beliebt nicht nur bei Einheimischen ist der Gladbecke r Schubkarrenkarneval im Stadtteil Rosenhügel. Statt Prunkwagen gibt es hier liebevoll gebastelte Aufbauten auf der Schubkarre zu bestaunen. Ein echter Hingucker! Am Sonntag ab 13.30 Uhr.

Waltrop feiert im Pyjama

Weitaus üppiger wirkt dagegen der Kinderkarneval in Duisburg-Hamborn (Sonntag, 14.11 Uhr), der im vergangenen Jahr 300 000 Jecken auf die Straßen lockte. Ein Kinderumzug startet am Sonntag um 11 Uhr im Buga-Park in Gelsenkirchen-Horst. Zünftig zugehen dürfte es beim Pyjama-Ball am Sonntag ab 20 Uhr in einem Zelt auf dem Marktplatz in Waltrop.

Am Rosenmontag herrscht in vielen Revierstädten der organisierte Ausnahmezustand. Früh dran sind stets die Bottroper, deren Jecken parallel zur Karnevalskirmes in der Innenstadt bereits um 10.30 Uhr auf den Beinen sind.

Eine einschneidende Änderung beschäftigt die Jecken in Herne: Der Zug startet zwar um 12 Uhr wie gewohnt vor dem Rathaus, doch gefeiert wird erstmals in der Akademie Mont-Cenis. Straßenkarneval in der Halle? Gegen acht Euro Eintritt? Viele Herner rümpfen die Pappnase.

Uralte Tradition: Wattenscheider Gänsereiten

Von uralter Tradition sind das Gänsereiten in Wattenscheid-Höntrop (ab 13 Uhr) und in Sevinghausen (13.45 Uhr). Etwa 60 000 sind dabei. Bunt geht’s zu beim Karnevalsumzug in Bochum-Linden ab 14 Uhr mit anschließendem Trallafitti auf dem Marktplatz.

Ein schönes Motto haben die fußballverrückten Karnevalisten in Gelsenkirchen. Dort äugt man bereits aufs Pokal-Finale in Berlin: „Die 11 steht fest als Superzahl, auf Schalke und im Karneval.“ Um 14.30 Uhr setzt sich der Karnevalszug auf der Cranger Straße in Bewegung.

Spätestens zur Mittagszeit erfolgt in vielen Revierstädten die Groß-Polonaise: In Essen starten 50 Wagen um 13.11 Uhr an der Grugahalle, in Recklinghausen zur selben Zeit am Konrad-Adenauer-Platz. In Dortmund, Dorsten und Mülheim beginnen die Paraden jeweils um 14 Uhr.

Und was machen beinharte Karnevals-Muffel? Ein kleines Stück Ruhrgebiet bleibt für sie reserviert. „Bei uns gibt es keinen Karnevalsumzug“, meldet unsere Redaktion in Heiligenhaus. Tusch!

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