"Wir bräuchten 2,6 Planeten"

Foto: AFP

Brüssel. Der WWF hat errechnet, wieviel Ressourcen die Euopäer für ihren Lebensstandard und ihre Wirtschaft benötigen. Lob für die Deutschen

„Wenn jeder so leben würde wie wir in Europa, dann bräuchten wir 2,6 Planeten“, warnt Tony Long. Der Europa-Chef des WWF schlägt Alarm. Die Umweltorganisation hat den Bedarf an natürlichen Ressourcen berechnet, den Europas Volkswirtschaften haben, um Waren zu produzieren und Abfall zu entsorgen. Trotz der Entwicklung neuer Technologien werde die Umwelt immer stärker beansprucht, weil gleichzeitig die Wirtschaft wachse. „Noch vor einer Generation hat Europa weniger natürliche Ressourcen benötigt als hier vorhanden waren“, erläutert der Umweltaktivist und fügt an: „Aber heute lebt Europa über seine Verhältnisse.“

Führend in Sachen Innvovationen

Nur in Finnland, Lettland und Schweden reichten die natürlichen Reserven, um den Bedarf zu befriedigen. Das bedeute aber nicht, dass das Trio sparsam mit den Ressourcen haushalte. Ganz im Gegenteil: Finnlands „ökologischer Fußabdruck“ sei in 30 Jahren um 70 Prozent gestiegen. Die Belastung der Umwelt habe also spürbar zugenommen. Lob vom WWF gibt es derweil für Deutschland. Anfang der Siebziger sei es gelungen, dem Anstieg der Beanspruchung der Natur Einhalt zu gebieten, weil der Einsatz von Kohle verringert und regenerative Energien entwickelt wurden. Zugleich konnte die „Biokapazität“, die Verfügbarkeit von Reserven, gesteigert werden. „Deutschland ist führend in Sachen Innovation und bei der Entkopplung von industrieller Produktion und der Nutzung von Ressourcen“, erkennt die Umweltlobby an. Allerdings bedeute dies nicht, dass die Probleme in Deutschland gelöst seien. Denn der „Fußabdruck“ sei auch in Deutschland zweieinhalb mal so groß wie es die natürliche Grundlage erlaube. Außerdem liege die Nutzung der Ressourcen doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Der WWF macht sich dafür stark, in volkswirtschaftlichen Rechnungen stärker zu berücksichtigen, inwieweit die natürliche Substanz aufgezehrt werde. In der EU-Kommission gibt es dafür bereits Überlegungen.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen